Wie Briten Innovationsführer bleiben

Die Innovationsleistung der Briten, hier zu sehen an einem neuartigen Laser-Schneidewerkzeug, ist trotz des drohenden Brexit deutlich höher als die heimische. Die Inselbewohner gelten als Innovationsführer, Österreich gilt dagegen nur als „starker Innovator“.
Die Innovationsleistung der Briten, hier zu sehen an einem neuartigen Laser-Schneidewerkzeug, ist trotz des drohenden Brexit deutlich höher als die heimische. Die Inselbewohner gelten als Innovationsführer, Österreich gilt dagegen nur als „starker Innovator“.(c) TWI LTD

Das Vereinigte Königreich erreicht mit relativ wenigen staatlichen Mitteln einen vergleichsweise hohen Ertrag in der Forschung. Österreichische KMU wollen davon lernen.

An dem kleinen Düsenflugzeug, das auf dem Rasen vor dem schmucklosen Hauptgebäude des Welding Institute (TWI) bei Cambridge steht, scheint auf den ersten Blick nichts Besonderes zu sein: ein Cockpit, zwei Flügel, drei Fenster. Der Flieger gleicht den Privatjets, mit denen die wenigen, die es sich leisten können, um die Welt kutschiert werden. Eine kleine Tafel am Rand des Rasens erklärt dann aber, was es mit Flugzeug – Modell Eclipse 500 – auf sich hat und warum es vor dem Institut steht: Die Bauteile des Prototyps wurden erstmals durch das sogenannte Reibrührschweißen zusammengefügt, das 1991 am TWI erfunden wurde und der Einrichtung für angewandte Forschung zu internationalem Renommee verhalf. Inzwischen ist das Verfahren neben der Flugzeugindustrie auch in der Raumfahrt, dem Schiff- oder dem Automobilbau Standard. Eine große Palette weiterer Techniken für die Metallurgie, das Ingenieurwesen und die industrielle Fertigung wurden am TWI entwickelt, darunter auch futuristisch anmutende Laseranwendungen zum Schneiden und Schweißen verschiedenster Materialien.

 

Business-Gedanke an Unis

Das 1920 gegründete Institut, dem inzwischen über 700 zum Teil internationale Firmen als Mitglieder angehören und das ein Drittel seines Einkommens aus der Auftragsforschung für die Industrie lukriert, war vergangene Woche eine von mehreren Stationen einer Delegation der Austrian Cooperative Research (ACR), eines Dachverbands, der heimische kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit unterstützt. Ihr Ziel: das britische Innovationssystem zu ergründen und davon zu lernen.

Denn laut Analyse der Europäischen Kommission ist die Innovationsleistung der Briten trotz des drohenden Brexit deutlich höher als die heimische – die Inselbewohner gelten als Innovationsführer, Österreich dagegen nur als „starker Innovator“. „Im Vereinigten Königreich gibt es relativ wenige staatliche Mittel, dafür aber einen höheren Output in der Forschung. Hier gibt es in Österreich noch Potenzial nach oben“, hält ACR-Präsident Martin Leitl fest. „Wichtig ist, dass in Österreich die angewandte Forschung gegenüber der Grundlagenforschung nicht ins Hintertreffen gerät“, so Leitl weiter. Er wünsche sich auch eine Stärkung thematisch offener Bottom-up-Förderungen sowie eine proaktive Herangehensweise der Universitäten nach britischem Vorbild. Auch die ACR-Geschäftsführerin in spe Sonja Sheikh sieht das britische Erfolgsmodell teilweise in den Universitäten begründet: „Es ist spannend, wie stark der Business-Gedanke auch im wissenschaftlichen und universitären Bereich verankert ist“, so Sheikh.

Der immer wahrscheinlicher werdende Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union sei zwar für alle Beteiligten ein großes Thema, und niemand in der Forschungscommunity würde ihn wollen, sagt Peter Pesl von der Wirtschaftskammer Österreich, der die Delegation des ACR begleitete. Doch die Briten pflegten die für sie typische Gelassenheit: „Man hat ja den Krieg überlebt, also wird man auch den Brexit überleben“, fasst Pesl die Stimmung zusammen.

IN ZAHLEN

1,7Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) gab Großbritannien 2018 für Forschung und Entwicklung aus, in Österreich waren es 3,19 Prozent. Trotzdem belegen die Briten Platz fünf im EU-Innovationsindex, Österreich nur Platz zehn.

16Prozent der weltweit am meisten zitierten Forschungsarbeiten wurden in Großbritannien verfasst, dort befinden sich auch vier der zehn weltbesten Universitäten.