Noch heute lebt das Erbe der arktischen Jäger und Sammler

Wanderbewegungen rekonstruiert.

Die Vorfahren der heutigen Inuit, Yupik und Aleuten wanderten vor etwa 800 Jahren in Amerika ein und verdrängten die dortige Bevölkerung, arktische Jäger und Sammler, die Archäologen „Paläo-Eskimos“ nennen. Diese verschwanden jedoch nicht ganz, sondern hinterließen ihr Erbgut in allen bis heute folgenden Bevölkerungsgruppen des arktischen Amerika. Das berichteten Forscher um Stephan Schiffels vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (Deutschland), darunter Ron Pinhasi vom Departement für Anthropologie der Universität Wien, im Fachjournal Nature (5. 6.).

 

Drei Mal über die Beringstraße

Auf Basis komplexer Analysen neuer Datensätze untersuchte die Studie uralte Genome von Menschen. Das Team sequenzierte dazu das Erbgut aus Knochenüberresten von 48 prähistorischen Menschen und verglich es mit dem von 93 heute in Sibirien, Alaska, auf den Aleuten – einer Inselkette zwischen Nordamerika und Asien – und in Kanada lebenden Personen. Daraus sowie aus früher veröffentlichten Daten konnten sie die Bevölkerungsgeschichte der Inuit-Vorfahren rekonstruieren. Als diese vor 5000 Jahren aus Asien über die Beringstraße in Amerika ankamen, vermischten sie sich zunächst mit den ersten Besiedlern Amerikas. Diese lebten dort schon seit 9500 Jahren, und ihr Erbgut ähnelte dem der südlichen indigenen Amerikaner. Die Vorfahren der Bewohner der Aleuten und die Athabasken in den Wäldern Alaskas und Nordkanadas stammen direkt von dieser „Mischgruppe“ ab. Außerdem zeigte die Untersuchung, dass die Vorfahren der Inuit und Yupik die Beringstraße mindestens drei Mal überquerten. (APA/cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2019)