Schnellauswahl

Österreichs erster Sieg als erster Strohhalm

SOCCER - UEFA EURO 2020 quali
GEPA pictures

EM-Qualifikation: Burgstaller rettete Österreich den wichtigen 1:0-Heimsieg gegen Slowenien. Das ÖFB-Spiel stottert zwar weiterhin gehörig, aber der EM-Traum lebt. Am Montag geht es in Nordmazedonien weiter.

Klagenfurt. Österreichs Fußballteam kann doch noch gewinnen. Was im halbvollen Wörthersee-Stadion lange nach einem ernüchternden Sommerkick wirkte, entpuppte sich letzten Endes zum ersten Sieg in der laufenden EM-Qualifikation. Erst mit der (viel zu späten) Einwechslung von Stürmer Guido Burgstaller gelang Teamchef Franco Foda gegen Slowenien die Wende. Das Tor des Schalke-Stürmers (74.) bedeutete den 1:0-Sieg - und lässt weiter auf die EM 2020 hoffen. Mehr aber auch schon wieder nicht. Am Montag geht es weiter, wartet das Spiel in Nordmazedonien.

Die Suche nach einem Fallbeispiel für schlechten Sommerfußball schien in Klagenfurt schon beendet, Österreichs „Gestocher“ erfüllte alle Kriterien. Enttäuschender Besuch, seltene Angriffe, nur drei Chancen bis zu 70. Minute – und kein Tor. Wertlose Fersler der Österreicher da, eine kompakt-spaßbefreite Abwehr eines am Spielaufbaus desinteressierten, harmlosen Gegners dort: die Partie plätscherte regelrecht dahin.

Die besten Chancen vergaben Arnautović (12.), Sabitzer (24.) und Schlager (33.). Den Versuch des Leipzig-Stürmers parierte Sloweniens Keeper Oblak allerdings mit Bravour. Beim schwachen Schuss des Salzburgers hatte er auch Glück. Das Bemühen, ein Tor schießen zu wollen, war den Österreichern nicht abzusprechen. Auch fand die Partie vorwiegend in der Hälfte der Slowenen, deren Strafraum statt. Doch, wie so oft: es fehlte ein „Goalgetter“. Den gibt es entweder nicht oder Foda hat zu Typen wie Burgstaller (ab 71.) einfach kein Vertrauen.

Baumgartlinger wurde vermisst

Das Tor des Stürmers sollte doch ein Umdenken bewirken, das oft zu tief und statisch wirkende Spiel zu beleben. Nur, ob das Foda auch so wahrnimmt? Der Ausfall von Baumgartlinger schmerzte jedenfalls ungemein. Der Leverkusen-Legionär musste wegen einer Entzündung im Sprunggelenk passen. Sein Ersatz, Debütant Konrad Laimer, blieb unauffällig.

Österreichs Fußball durchlebt nicht nur ob schwacher Spiele eine Misere, sondern quält sich auch mit der Stadionfrage. Weil Konzerte im Happel-Stadion Vorrang haben, ist der ÖFB auf „Wanderschaft“. Deshalb gibt es Spiele in Klagenfurt oder in Salzburg. Hohe Preise, weite Anreise, schlechter Kick samt überheblicher Art – viele Anhänger haben jedoch genug.

Die „Hurricanes Österreich“, der größte ÖFB-Fanclub, setzte in Klagenfurt einen „Stimmungsboykott“ um. In der ersten Hälfte war es merklich still, gab es kaum Stimmung. Ob das den ÖFB-Granden genügt, um sich Gedanken zu machen? Das „Gestocher“ der Spieler jedenfalls trug zur Verbesserung dieser Beziehungen nichts bei.

Parndorf als ÖFB-Option?

Das Wörthersee-Stadion verwandelt sich im Herbst in einen Wald, 200 Bäume wachsen dann hier. In Wien sind währenddessen Länderspiele eine Illusion, das Happel-Oval ist besetzt und in Hütteldorf ist das Team nicht erwünscht. In Favoriten war das letzte Spiel ein deutlicher Fan-Flop.

Kein Wunder also, dass ÖFB-Präsident Leo Windtner Handlungsbedarf sieht. Doch Wien setzt auf die neue Arena (ab 2024), von einem Stadionneubau ist seit dem Ende von Türkis-Blau keine Rede mehr; im Gegenteil. Windtner sieht sich in Niederösterreich oder Burgenland (Parndorf) um. Nur: sind diese Orte denn attraktive Optionen für das Nationalteam?

Österreichs Fußball sucht weiter Richtung und Heimat. Darin herrscht jedenfalls Einigkeit: es gleicht einer Irrfahrt.