Greenpeace geht Plastiksackerlverbot nicht weit genug

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APA/BARBARA GINDL

Auch Plastikverpackungen müssten reduziert werden, fordern die Umweltschützer. Zudem sollen Wegwerfsackerln kostenpflichtig werden. In Deutschland kündigte Aldi eben das bereits an.

Die Pläne für ein Plastiksackerlverbot, die noch von Türkis-Blau angestoßen wurden und nun per Initiativantrag ins Parlament gebracht werden sollen, gehen Umweltschützern nicht weit genug. Greenpeace pocht darauf, dass darüber hinaus auch eine Reduktion von Plastikverpackungen um bis zu 25 Prozent bis 2025 verabschiedet werden soll. Die letzte Regierung habe dies angekündigt und im Ministerrat beschlossen, „jedoch verabsäumt, das Ziel auch rechtlich zu verankern“, heißt es in einer Aussendung der Umweltorganisation.

Ohne Reduktionsziel für Plastikverpackungen insgesamt sei zu befürchten, dass das Plastiksackerlverbot zu einer Zunahme von vorverpackter Ware führt, warnt Greenpeace. Aus Sicht der Umweltschützer sollten weiters auch alle Gratis-Wegwerfsackerln verboten werden, „um das Problem nicht auf andere Materialien
wie etwa Bio-Plastik oder Papier zu verschieben". 

300.000 Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr

Laut Greenpeace landen in Österreich jährlich 300.000 Tonnen Plastikverpackungen im Müll - um zwei Drittel mehr als noch vor 20 Jahren. In Österreich würden derzeit rund 750 Millionen Wegwerfsackerl aus Plastik ausgegeben. Würden diese bloß durch andere Materialien ersetzt, werde die Abfallflut wieder nicht reduziert, befürchten die Unweltschützer. Sie plädieren für einen Mindestpreis, wie er jetzt schon an den Supermarktkassen üblich ist- wenn auch derzeit noch auf Basis einer freiwilligen Vereinbarung. Ein solcher sollte im gesamten Handel auf gesetzlicher Basis gelten, fordert Greenpeace. Die Einnahmen sollten nach deren Vorstellungen verpflichtend für Informationskampagnen zur Abfallvermeidung verwendet werden.

Auch brauche es klare Qualitätsanforderungen für Sackerln aus Bio-Plastik wie Kartoffeln oder Mais: Diese müssen demnach vollständig aus nachwachsenden Ressourcen produziert und gentechnikfrei hergestellt sowie im eigenen Garten kompostierbar sein.

Skepsis wegen Deregulierungsplänen für Abfallwirtschaft

Die ehemalige Ministerin Elisabeth Köstinger hatte zuletzt angekündigt, den unveränderten Begutachtungsentwurf zum Abfallwirtschaftsgesetz als Initiativantrag im Nationalrat einzubringen. Greenpeace stößt sich  auch an „mehreren umstrittenen Bestimmungen zur Deregulierung der Abfallwirtschaft", die in diesem Entwurf ebenfalls enthalten seien. Diese hätten mit dem Plastiksackerlverbot nichts zu tun und sollten aus dem Entwurf gestrichen werden, um einen „breiten Konsens im Parlament" zu ermöglichen, regen die Umweltschützer an.

Aldi verlangt einen Cent pro Obstsackerl

Auch in Deutschland erhitzt das Thema Verpackungsmüll die Gemüter. Zuletzt ließ Aldi damit aufhorchen, künftig für jedes dünne Plastiksackerl am Obst- und Gemüsestand einen Cent verlangen zu wollen. Bis 2022 sollen zudem alle Eigenmarken-Verpackungen der Muttergesellschaft von Hofer recyclingfähig sein, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“.

(cka)