Ein umstrittenes Abseits bringt unerwartet Spannung in die Bundesliga. Nach eingehender Recherche muss man Linienrichter Andreas Feichtinger wohl zu seiner richtigen Entscheidung und seiner Courage gratulieren.
Wien. Auch diese Zeitung schrieb am Montag von einem zu Unrecht aberkannten Tor für Salzburg. So wie die meisten Beobachter und Kommentatoren blieb in der Hitze des Gefechts keine Zeit für einen Blick auf die Fifa-Spielregel 11. Nach eingehender Recherche muss man Linienrichter Andreas Feichtinger wohl zu seiner richtigen Entscheidung und seiner Courage gratulieren. Somen Tchoyi stand im Abseits und griff daraufhin ins Spiel ein. Rabiu Afolabis Ausgleichstreffer war somit irregulär.
Damit verdankt die österreichische Bundesliga einer richtigen Schiedsrichterentscheidung das spannendste Finale seit vielen Jahren. Zuletzt wurde die Meisterschale im Jahr 2000 im letzten Spiel erobert. Damals sicherte sich der FC Tirol den Titel. Und überhaupt erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesliga buhlen noch drei Klubs um die Krone. Das gab's bisher nur 1992. Salzburg führte damals zwei Punkte vor der Austria und Tirol. Und die Wiener sicherten sich mit einem 2:1 gegen Salzburg vor 40.000 Fans im Praterstadion die Meisterschaft.
Auch am Donnerstag könnte die Austria wohl das Ernst-Happel-Stadion füllen. Im Spiel gegen Ried stirbt die Hoffnung zuletzt. Auch wenn nach wie vor Salzburg der große Meisterfavorit ist. Doch zwei Niederlagen hintereinander sorgen vor dem Spiel gegen Sturm für Verunsicherung. „Das muss schnell aus den Köpfen raus“, sagte Salzburg-Coach Huub Stevens am Montag. Über die Schiedsrichter verlor er kein Wort. Kritik übte er lediglich an seinem Goalgetter Marc Janko. „Janko war einfach nicht gut“, sagt der Holländer, der zwar mit Schalke den Uefa-Cup gewann, in seiner Trainerkarriere aber noch nie Meister wurde.
Fest steht: Die Meisterschale wird am Donnerstag in Graz sein. Die Wiener Austria und Rapid müssten im Falle des Falles mit einem Duplikat feiern. Was wohl keines der beiden Teams stören würde.
Trotz des Schocks bei den Salzburgern scheint Sturm eine mehr als machbare Aufgabe. Die Mannschaft von Trainer Franco Foda ist nur noch auf das Cupfinale gegen Wiener Neustadt fokussiert. Und das steigt ausgerechnet drei Tage nach dem Salzburg-Spiel. Beobachter vermuten deshalb, Foda könnte seine Schlüsselspieler gegen Salzburg schonen. Er selbst deutet Ähnliches zumindest leise an: „Für uns ist es eine ungünstige Situation. Wir wollen das Spiel gewinnen, allerdings unter Berücksichtigung des Cupfinales, in dem es für uns um viel geht.“ Und als wollte er sich schon im Voraus entschuldigen: „Es kann nicht sein, dass jetzt alles an Sturm hängt. Jeder hätte die Situation vorher entscheiden können.“
Und in Wien-Favoriten? Da versucht Trainer Karl Daxbacher seine jungen Überflieger wieder auf den Boden zurückzuholen. „Wer zwölfmal nur 1:0 gewinnt, kann nicht von einem Sieg ausgehen. Wir dürfen auf keinen Fall glauben, dass wir gegen Ried schon sicher gewonnen haben“, sagt er und tut, was er die ganze Saison über getan hat: tiefstapeln.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2010)