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Digitalisierung muss Chefsache werden

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Führungskräfte müssen begreifen, dass KI mehr ist als ein Mittel Kosten zu sparen. Ein Gastkommentar von Dorothee Ritz, General Managerin von Microsoft Österreich.

Wir nutzen sie im Alltag, ohne es zu wissen. Die schnelle Suche im Internet, die Navigation zum nächsten Restaurant oder wenn wir im Urlaub dringend ein Übersetzungstool benötigen – die Rede ist von künstlicher Intelligenz (KI). Das Potenzial und die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft. KI ist ein Wachstumstreiber. Die rasante Weiterentwicklung hat enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft. Das globale BIP soll sich durch KI laut einer PwC Studie bis 2030 um 14 Prozent erhöhen. Das entspricht einem Plus von 18,8 Billionen Euro. Um den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig zu sichern, müssen wir diese Zukunftstechnologien strategisch einsetzen und das Umsetzungstempo deutlich steigern. 

Wer sich aus dem Fenster lehnt, gewinnt 

Wirtschaft und Gesellschaft bewegen sich in einem Spannungsfeld der Digitalisierung. Unternehmen sind in einem Umfeld angekommen, in dem Strategien laufend angepasst werden müssen – weil es der Markt erfordert. Die digitale Transformation und der Einsatz von KI sind zu Beginn oft ein steiniger Weg. Es braucht Mut, um gewohnte Wege zu verlassen und Ressourcen, die eingesetzt werden müssen für Dinge, die nicht hundertprozentig planbar sind. 

Meist mangelt es an klaren Unternehmensstrategien, Investitionen, Vertrauen in die Cloud und die Treiber der Digitalisierung sind oft IT-Angestellte. Doch Digitalisierung muss zur Chefsache werden.

Jetzt umsteigen oder Milliarden riskieren 

In der österreichischen Wirtschaft ist der Einsatz von KI noch immer Neuland. Eine aktuelle Studie von EY und Microsoft zeigt, dass der „KI-Reifegrad“ österreichischer Unternehmen unterhalb des europäischen Durchschnitts liegt. Rund 14 Prozent der befragten Unternehmen denken derzeit nicht einmal über den Einsatz von KI-Technologien nach – im europäischen Durchschnitt sind es sieben Prozent. Den österreichischen Unternehmen fehlt es an der Basis. Viele sehen es nicht als Notwendigkeit, in die Digitalisierung zu investieren. Laut einer aktuellen Studie der OECD passt man sich der globalen digitalen Transformation an, ist aber langsamer als die meisten fortgeschrittenen OECD-Länder. Sie haben längst erkannt, dass Innovation, Schnelligkeit, Flexibilität oder Sicherheit nur mit einer Cloud-Lösung funktioniert. Im Vergleich mit den 28 EU-Staaten (Eurostat Studie), reiht sich Österreich hinsichtlich Cloud-Nutzung sogar hinter Estland, Kroatien, Zypern oder Slowenien ein – und befindet sich somit im letzten Drittel. Aber ohne Cloud können keine Innovationen durch Digitalisierung stattfinden.  

Dieser zaghafte Umgang mit Digitalisierung führt dazu, dass Österreich die Chance auf wirtschaftliches Wachstum verpasst.

Dorothee Ritz, General Managerin von Microsoft Österreich

Mein dringender Appell an Österreichs Unternehmen, aber auch an die Politik ist: jetzt den Wandel aktiv gestalten, statt sich gestalten zu lassen! 

Kosten senken? KI kann viel mehr 

Führungskräfte müssen begreifen, dass KI mehr ist als ein Mittel Kosten zu sparen. Durch den Einsatz von Machine Learning erwarten sich Österreichs Unternehmen eine Prozessoptimierung. Digitalisierung und KI bieten jedoch viel mehr. Mit einem digitalen Wandel im Unternehmen ist es möglich, Kunden mit einem besseren Angebot zu begeistern und gleichzeitig langfristig zu binden. Innovation und Digitalisierung sind eng miteinander verknüpft und Garant für Wachstum und Arbeitsplätze.

Inklusion als größte Herausforderung 

Weltweit haben mehr als eine Milliarde Menschen eine körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung. Sie sind jedoch grandiose Teamplayer. Nicht zuletzt deswegen ist Vielfalt unsere Stärke und Inklusion unsere größte Herausforderung. Technologien und KI-Technologien spielen hierbei eine Schlüsselrolle: Sie ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigung immer mehr am Berufsalltag teilzuhaben. Die Microsoft App Seeing AI beispielsweise ermöglicht Personen mit eingeschränkter Sicht, ihren Alltag zu erleichtern indem die Applikation die unmittelbare Umgebung beschreibt. 

Wenn wir Personen mit verschiedenen Blickwinkeln und Erfahrungen an einem Tisch zusammenbringen, können wir die Probleme unserer Zeit besser lösen. Das bedeutet natürlich auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Deswegen hat Microsoft die weltweite Initiative AI for Accessibility ins Leben gerufen. Es umfasst finanzielle Unterstützung für Forscher und Entwickler sowie Universitäten und NGOs, die an Software und Hardware mit ergänzenden Funktion für Menschen mit Behinderungen arbeiten, die auf KI beruhen. Ich bin mir sicher, dass wir dank KI die Entfaltungsmöglichkeiten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen in den nächsten 25 Jahren beeinflussen werden. 

Basis und Vertrauen für KI schaffen

Ohne Fundament und Mauern lässt sich kein Dach bauen. Bevor wir also in Österreich mittels KI-Technologien durchstarten, müssen wir weiterhin die Digitalisierung thematisieren. Die Aufholjagd von Unternehmen hinsichtlich der Cloud-Nutzung und dem Einsatz von digitalen Technologien muss jetzt starten. Die Mission lautet: „Digital zu denken“ und echte Innovationen voranzutreiben. Ohne Vielfalt und unterschiedlichen Blickwinkeln gibt es keine Innovationen. Für uns bedeutet Vielfalt, dass sich jeder Mensch mit allem, was sie oder ihn ausmacht, authentisch in das Leben einbringen kann. Wir müssen ein kulturelles Klima sowie physisches Umfeld schaffen, das barrierefrei und inklusiv ist, um unser Ziel zu erreichen. Und hier setzt KI sehr gut an. Wir nutzen KI zwar schon im Alltag, ohne es zu wissen, aber in Unternehmen ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Ich bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind – sowohl als Unternehmen als auch als Gesellschaft.