Es kracht im Hause Renault-Nissan

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Die Neuordnung der Autoallianz ist von internen Spannungen nicht nur begleitet. Diese eskalieren inzwischen sogar so sehr, dass einflussreiche Stimmrechtsberater gegen eine Neubestellung von Nissan-Chef Hiroto Saikawa agitieren.

Wenn die Insiderinformationen stimmen, dann brechen die Spannungen zwischen den langjährigen Allianzpartnern Renault und Nissan nun offen auf. Konkret habe Renaults jüngster Vorstoß, den geplanten Umbau der Nissan-Führungsstruktur auf der Hauptversammlung Ende Juni zu blockieren, die seit zwei Jahrzehnten bestehende Allianz in Gefahr gebracht, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Mittwoch. Das teilte die Nachrichtenagentur Reuters mit.

Renault müsse sehr vorsichtig sein, um nicht das japanische Volk und die Aktionäre zu verärgern, hieß es weiter. Trotz gegenteiliger Worte versuchten die Franzosen derzeit, die Allianz zu zerstören.
Renault war vor Kurzem auf Konfrontationskurs zu seinem Partner Nissan gegangen. In einem vom Renault-Vorsitzenden Jean-Dominique Senard unterzeichneten Brief deuteten die Franzosen an, sie könnten mit ihrem Aktienpaket von 43,4 Prozent den seit Langem geplanten Umbau der Nissan-Führungsstruktur auf der Hauptversammlung am 25. Juni blockieren. Renault will mehr Vertreter in die neuen Nissan-Gremien entsenden als bisher vorgesehen. Nissan kritisierte den Vorstoß ungewöhnlich deutlich und nannte den Brief in einem Statement „höchst bedauerlich“.

Das Zögern der Japaner wiederum hatte dazu beigetragen, dass sich die von Fiat Chrysler im Mai angestoßene Fusion mit Renault vorerst zerschlug.

Stimmrechtsberater werden aktiv

Die von gegenseitigen Kapitalbeteiligungen unterfütterte Allianz von Nissan und Renault, zu der auch die Nissan-Beteiligung Mitsubishi Motors gerechnet wird, ist in unruhiges Fahrwasser geraten, seit im November Carlos Ghosn, früher Chef beider Konzerne, unter dem Vorwurf der Untreue verhaftet worden war. Ghosn hatte als Motor des Firmenbündnisses gegolten.

Die neueste Wendung im Streit um die Neuordnung der Autoallianz ist, dass nun auch Nissan-Chef Hiroto Saikawa unter Druck kommt. Die beiden einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis nämlich empfahlen den Nissan-Aktionären, auf der Hauptversammlung am 25. Juni gegen Saikawas Neubestellung zu stimmen.

Sie fordern nach dem Skandal um Finanzverstöße des in Japan unter Anklage stehenden Ghosn einen Neuanfang – und zwar ohne Saikawa, der viele Jahre mit Ghosn Hand in Hand arbeitete. Nissan müsse mit der Vergangenheit brechen und brauche eine neue, starke Chefetage, hieß es in einer Reuters am Mittwoch vorliegenden Empfehlung von Institutional Shareholder Services (ISS): „Die Wiederwahl von Hiroto Saikawa, der 14 Jahre im Vorstand war und eng mit Carlos Ghosn zusammenarbeitete, erscheint nicht angemessen.“

Saikawas Rolle

Saikawa hatte im November die Vorwürfe gegen Ghosn nach internen Untersuchungen bei Nissan öffentlich gemacht und dafür gesorgt, dass der damalige Renault-Chef als Verwaltungsratschef bei Nissan abgesetzt wurde. Gegen Ghosn erhob die Staatsanwaltschaft in Tokio vier Anklagen wegen Veruntreuung von Firmengeldern und Verstoßes gegen Veröffentlichungspflichten. Der Franzose bestritt alles und erklärte, er sei Opfer eines Hinterhaltes seiner ehemaligen Vorstandskollegen bei Nissan. Sie hätten die von ihm angestrebte Fusion von Renault und Nissan verhindern wollen. Glass Lewis erklärte, Saikawa könne nicht erneut nominiert werden, denn er habe Aufsichtspflichten verletzt. Nissan lehnte einen Kommentar zu den Empfehlungen ab. (ag./est)