Inn-Hochwasser: Radfahrer wird vermisst

Die Steinbrücke in Schwaz am Mittwoch in der Früh
Die Steinbrücke in Schwaz am Mittwoch in der FrühAPA/ZOOM.TIROL

Gepaart mit der Schneeschmelze sorgen lokale Gewitter für außergewöhnlich hohe Pegelstände. Die Entwicklung ist schwer abschätzbar, vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen wurden getroffen. Ein Radfahrer stürzte in die Ötztaler Ache und wird vermisst.

Die Hochwassersituation in Tirol vor allem entlang des Inns ist auch Mittwochnachmittag angespannt geblieben. Die Experten rechneten mit einer Entspannung erst im Laufe des Donnerstags, da die Niederschläge laut den aktuellen Prognosen ab Mittwochabend abklingen sollen. Einsatzorganisationen wie Feuerwehren und Wasserrettung blieben vorerst in Bereitschaft.

In Abstimmung mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, mit der Stadt Innsbruck und mit den Kraftwerksbetreibern seien vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden, um bei einem weiteren Anstieg der Pegel, der aufgrund der prognostizierten Niederschläge und der Schneeschmelze zu erwarten sei, bestmöglich für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, berichtete LHStv. und Sicherheitsreferent Josef Geisler (ÖVP). Von Überschwemmungen betroffen waren vorerst vor allem landwirtschaftliche Nutzflächen.

Radfahrer stürzte in Ötztaler Ache

Ein Radfahrer ist am Mittwochnachmittag in die hochwasserführende Ötztaler Ache gestürzt und sofort abgetrieben worden. Eine Suchaktion blieb laut Polizei erfolglos, der Mann blieb unauffindbar. Der bisher Unbekannte war mit einem E-Bike auf einer Gemeindestraße in Sautens vom Recyclinghof in Richtung Klärwerk gefahren. Als dem Mann ein Fahrzeug entgegenkam, hielt er sein Fahrrad am Straßenrand an und stürzte beim Versuch wieder anzufahren um. Dabei blieb das E-Bike an einer schmalen Böschung liegen, der Radfahrer stürzte in die Ache. Die sofortige Suchaktion von Wasserrettung, Feuerwehr, Polizei, zweier Rettungshubschraubern und dem Polizeihubschrauber brachte keinen Erfolg.

Zivilschutzwarnung in Schwaz

In der Bezirkshauptstadt Schwaz ist am Nachmittag Zivilschutzalarm gegeben worden. Man rechne damit, dass der Inn am späten Nachmittag über die Ufer treten könnte, hieß es. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen tieferliegende Keller und Tiefgaragen zu räumen. Hausbesorger, Hausmeister und Hausbesitzer sind zudem dazu angehalten, Öltanks und Technikräume in den Kellerbereichen zu sichern, teilte die Gemeinde auf ihrer Website mit. Die Steinbrücke musste bereits am Vormittag gesperrt werden. Im Bereich des Umspannwerks wurden Sandsäcke ausgebracht, außerdem wurden die Industrieanlagen im Gewerbegebiet Ost gesichert. An der Bundesstraße wurden Hochwassersperren aufgebaut und Sandsäcke vorbereitet.

Weitere Sicherheitshinweise

Das Land Tirol gab unterdessen auch Verhaltens- und Sicherheitshinweise für die Bevölkerung aus. Demnach sollten Uferbereiche von Bächen und Flüssen gemieden werden. Außerdem wurde geraten, Fahrzeuge vorsorglich aus Tiefgaragen in sichere Bereiche zu bringen und Gegenstände, die nicht nass werden sollen, aus dem Keller zu räumen. Behördliche Straßen-, Brücken- und Wegesperren seien jedenfalls zu beachten, wurde betont.

Eine konkrete Prognose zur weiteren Entwicklung der Lage sei sehr schwierig, da diese auch von der Wetter- und Abflussentwicklung entlang der Zubringer des Inns wie beispielsweise der Ötztaler Ache und des Zuflusses aus der Schweiz zusammenhängen, hieß es. Obwohl sich das Wetter am Abend beruhigen soll, müssten die Niederschlagsmengen erst abfließen, erklärte Klaus Niedertscheider, Leiter des Sachgebiets Hydrographie und Hydrologie des Landes Tirol. Außerdem werde die Schneeschmelze auch weiterhin stattfinden, weshalb die Situation im Laufe des Mittwochs und auch während der Nacht beobachtete werden müsse, so Niedertscheider.

Die Situation in Innsbruck in der Nacht auf Mittwoch
Die Situation in Innsbruck in der Nacht auf MittwochAPA/ZEITUNGSFOTO.AT

Vorerst keine Sperre der Innbrücke

Eine Sperre der Innbrücke inmitten der Landeshauptstadt zeichnete sich vorerst nicht ab. Ab welchem Pegelstand sie gesperrt wird, hängt laut Elmar Rizzoli, Leiter des städtischen Amts für Allgemeine Sicherheit, davon ab, "was im Wasser daherkommt". Im Jahr 2005, beim letzten großen Hochwasser in Innsbruck, hatte man die Innbrücke bei einem mit diesem Jahr vergleichbaren Pegelstand bereits abgeriegelt, sagte Rizzoli zur APA. Der Fluss führte damals viel Treibholz, das aufgrund von Vermurungen im Wasser landete. Derzeit könnte der Inn noch weitere 50 bis 60 Zentimeter steigen, ohne dass man die Brücke sperren müsste, hieß es.