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„Man fragt sich immer, wo das Geld in Italien eigentlich hingeht“

Lars Feld beim Interview in Wien
Reither

Italien brauche keine Parallelwährung sondern eine Staatsreform, sagt der deutsche Top-Ökonom Lars Feld. Für die EZB-Spitze wünscht er sich einen Deutschen. Einen EU-Finanzminister werde es nicht geben. Und Trumps Vorwürfe gegen Deutschland findet er „lächerlich“. Die Langfassung des Interviews.

Donald Trump hat Deutschland auf die Liste der Länder gesetzt, die ihre Währung manipulieren. Weil der schwache Euro der Exportwirtschaft hilft.

Das ist absolut lächerlich. Wir haben eine schwache Wirtschaft in Europa, das muss man beachten. Man kann nicht einfach einen EU-Staat herausgreifen und dann auf so eine Liste setzen.

Aber eine Hilfe für die deutsche Wirtschaft ist der schwache Euro durchaus, oder?

In der Tat. Allerdings hätte der deutsche Sparer lieber höhere Zinsen. Die meisten Deutschen sehen den Euro heute nicht als Vorteil. Dafür ist die verzerrte öffentliche Debatte verantwortlich, sodass nur noch die Risiken im Vordergrund stehen. Die EZB macht Geldpolitik für den gesamten Euro-Raum. Während Italiens Wirtschaft schwächelt, war die deutsche Wirtschaft bis vor kurzem im Boom. Dies muss die EZB in ihrer Analyse zusammenbringen.

In Italien flirtet man jetzt mit der Idee einer Parallelwährung, so genannte "Minibots". Wie soll das funktionieren?

Das sind staatliche Schuldverschreibungen in kleiner Stückelung. Die sollen eingesetzt werden, damit der italienische Staat seine Zahlungsrückstände bei Lieferanten begleichen kann, die mit diesen Scheinen wiederum ihre Steuern bezahlen können. Damit wären wir bei einer Parallelwährung.

Das klingt sehr nach der in den USA gerade heiß diskutierten "Modern Monetary Theory". Und danach, was auch die Nazis getan haben.