Unpredictable-Nest-Syndrom

(c) Carolina Frank

Die Situation zu Hause ist unübersichtlicher denn je.

Zwei von drei Buben sind ja offiziell ausgezogen (wenn man es schonungslos formulieren wollte: alle, die können), allerdings ist der Mittlere vorerst nur in einer Art Sommer-Probe-WG untergeschlüpft (wir nennen es zumindest so, um uns langsam daran gewöhnen zu können). Zuletzt ist dann auch noch der Hund ausgezogen – aus unserem Schlafzimmer. Dort hat er geschlafen, seit wir ihn als Acht-Wochen-Welpen bekommen haben, dorthin ist er uns jeden Abend kommentarlos gefolgt, bis wir vor ein paar Tagen vergeblich mit einer einen Spalt offenen Tür auf sein Tapsen gewartet haben. Ja, er ist in der Hundepubertät und muss sich auch abnabeln.

Wirklich gut geschlafen habe ich in dieser ersten hundelosen Nacht nicht. Bei dem Riesengewitter zwei Tage später war dem Rüden dann offenbar wieder etwas welpiger zumute. Und auch der Jüngste, für den der schleichende Abschied von seinen großen Brüdern schwierig ist, möchte einmal mit Vorlesen und Kuscheln ins Bett gebracht werden wie immer, dann wieder lieber allein YouTube schauen und so lang aufbleiben wie zu Weihnachten und Silvester zusammen. Wenn man es zusammenfassen will, leide ich derzeit ein wenig unter dem Unpredictable-Nest-Syndrom. Ob ein Wochenende zu zweit, dritt, viert oder fünft bevorsteht, ist oft am Sonntagnachmittag noch nicht klar, bzw. wechseln die Besetzungen, damit auch Erwartungen und Bedürfnisse oft schneller, als man darauf reagieren könnte. War man auf ein ruhiges Lesewochenende eingestellt, geht es hektisch zu wie bei alten Screwball-Comedys, freut man sich genau darauf, ist überraschend gar keiner da. In China würde man wohl sagen: Fürchte allzu übersichtliche Zeiten. Wahrscheinlich ist da etwas dran.