Karl-Peter Schwarz

Gleichheit und Freiheit lassen sich nicht vereinbaren

Die Zahl derer, die den Sozialismus für eine gute Idee halten, nimmt zu. Aber wenn sich der sozialistische Traum erfüllt, wacht man im totalitären Staat auf.

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Anneliese Rohrer hat an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, dass der Sozialismus in den USA unter der jüngeren Generation seinen Schrecken verliert: „Für 51 Prozent ist der Begriff positiv besetzt.“ Eine im Frühjahr vom Gallup-Institut durchgeführte Umfrage bestätigt diesen Trend. Demnach halten 43 Prozent der Amerikaner den Sozialismus für eine gute Sache. 1942 waren nur 25 Prozent dieser Meinung. Es sieht so aus, als hätte man den Sozialismus nach dem Ende der Sowjetunion vorschnell für tot erklärt.

Gallup fragte die Amerikaner allerdings auch, was besser der Markt und was der Staat besorgen sollte, und da ergab sich eine klare Mehrheit für den Markt: Technologische Innovation, Verteilung des Sozialproduktes, Wirtschaft insgesamt, ja sogar höhere Bildung und Gesundheit wollen die Amerikaner nicht der Regierung überlassen. Das Ergebnis widerspiegelt die Polarisierung zwischen konservativen Republikanern und linken Demokraten. Aber es verweist darüber hinaus auf den Grundkonflikt zwischen Gleichheit und Freiheit, zwischen staatlicher Steuerung und individueller Selbstverantwortung.