Türkei hält an straffer Geldpolitik fest

Der Chef der türkischen Zentralbank, Murat Çetinkaya (Archivbild).
Der Chef der türkischen Zentralbank, Murat Çetinkaya (Archivbild).REUTERS

Der Zinssatz bleibt bei 24 Prozent, Grund sind die hohe Inflation und der Lira-Verfall.

Ankara/Istanbul. Vor der Wiederholung der Kommunalwahl in Istanbul hat die türkische Zentralbank die Leitzinsen am Mittwoch bei 24 Prozent belassen. Sie werde eine straffe geldpolitische Haltung beibehalten, um Risken bei der Preisentwicklung einzudämmen und den Disinflationsprozess zu stärken, hieß es nach der Entscheidung.

Diese war von Experten erwartet worden: In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters hatten 14 Ökonomen erwartet, dass die Rate konstant bleibt, nur zwei hatten mit einer Senkung gerechnet. Und von den 25 von Bloomberg befragten Ökonomen sind 22 von einer Beibehaltung des Zinssatzes ausgegangen.

Der Notenbank, die seit neun Monaten nicht mehr an der Zinsschraube gedreht hat, geht es vor allem um die Eindämmung der Inflation. Im Mai legten die Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich um 18,71 Prozent zu – im Oktober waren es noch mehr als 25 Prozent, der höchste Stand seit 15 Jahren. Das offizielle Inflationsziel liegt allerdings bei nur fünf Prozent. „Die Entwicklungen der Inlandsnachfrage und die straffe Geldpolitik unterstützen die Disinflation“, erklärten die Währungshüter.

Dazu kommt der Verfall der Lira – auch das sei ein Grund, warum die Notenbank die Füße still halte, sagte Rabobank-Stratege Piotr Matys. Die türkische Lira hat im Vorjahr mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren, 2019 ging es um weitere 15 Prozent nach unten. Das macht Importe deutlich teurer.

Dabei spielen zum einen die angespannten Beziehungen zu den USA eine Rolle, die sich zuletzt noch verschlechtert haben, zum anderen die Einflussnahme der Politik – konkret von Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf die Notenbank. Dieser hatte die Notenbank mehrfach heftig kritisiert und seine Aversion gegen Zinsen deponiert. Das hatte Zweifel bei Investoren und Anlegern geschürt, ob die Notenbank überhaupt unabhängig agieren kann.

Nach der Entscheidung der Notenbank machte die Lira ihre vorherigen Kursverluste zum Dollar wieder wett und kostete etwa so viel wie am Vortag – 5,8 Lira für einen Dollar.

Die türkische Wirtschaft befindet sich in der Rezession. Ende 2018 schrumpfte die türkische Wirtschaft so stark wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt sank im vierten Quartal binnen Jahresfrist um 3,1 Prozent. Im ersten Quartal 2019 lag das Minus auf Jahressicht bei 2,6 Prozent. (ag./eid)