E-Autos: Zulieferer bangen um Jobs

Wirklich begehrt sind derzeit nur Oldtimer, die Rekordpreise erreichen (auf dem Bild bei einer Versteigerung 2015 in Paris). Neuwagen sind weniger gefragt.
Wirklich begehrt sind derzeit nur Oldtimer, die Rekordpreise erreichen (auf dem Bild bei einer Versteigerung 2015 in Paris). Neuwagen sind weniger gefragt.(c) REUTERS (Gonzalo Fuentes)

Der Wandel weg von Verbrennungsmotoren hin zu Elektrofahrzeugen gefährdet in der deutschen Industrie Tausende Arbeitsplätze. Für die Autobauer bleibt 2019 ein schwieriges Jahr.

Berlin/Wien. Mit dem politisch erzwungenen Schwenk auf Elektromobilität wird die Autoindustrie mächtig durcheinandergewirbelt. Wie sehr, formulierte der deutsche IG-Metall-Chef, Jörg Hofmann, jüngst dramatisch: In Deutschland drohten „industrielle Wüsten“.

Wenn in die Verbrennertechnologie nicht mehr investiert wird, wackeln in Regionen wie dem Saarland und Rheinland-Pfalz die Arbeitsplätze bei großen und kleinen Zulieferern.

Beim Turbospezialisten Borg Warner in Kirchheimbolanden, Rheinland-Pfalz, gehen die Geschäfte schon seit einiger Zeit schlechter, erklärte die örtliche Gewerkschaftssekretärin, Birgit Mohne. Leiharbeiter werden nicht weiterbeschäftigt, und auch die Stammbelegschaft ist nur noch bis Ende 2021 vor Kündigungen geschützt. Das benachbarte Saarland mit rund 44.000 Auto-Beschäftigten hängt wie kaum eine andere Region am Verbrennungsmotor. Laut einer IW/Fraunhofer-Studie entfallen rund 40 Prozent des Umsatzes von knapp 17 Milliarden Euro auf Sparten, die stark vom Wandel betroffen sein werden. Dazu zählen Fabriken für Motoren, Getriebe oder Abgasnachbehandlung, allein Bosch beschäftigt in Homburg mehr als 4700 Menschen vorwiegend in der Dieseltechnologie. Insgesamt umfasst der Autosektor 260 Unternehmen, Spezialisten für zukunftsträchtige Automatisierung oder Fahrzeugvernetzung sind kaum darunter.

Die Autoren der Studie geben der Region zehn Jahre Zeit, den Wandel zu gestalten. Nach ihrer Einschätzung werden 2030 noch 40 Prozent der neuen Autos einen Verbrennungsmotor haben. 35 Prozent sind als Hybride unterwegs, reine Elektroautos machen demnach rund ein Viertel aus.

Im ZF-Werk Saarbrücken mit rund 9000 Beschäftigten setzt man massiv auf den Hybridantrieb: 800 Millionen Euro werden in den nächsten vier Jahren investiert, um den Standort fit zu machen.

 

Bosch Österreich mit Rekord

In Österreich sieht man den Wandel etwas entspannter, etwa bei Bosch, das Großmotoren für Lokomotiven und Schiffe herstellt, nicht aber für Pkw. Es gebe keinen Trend, dass sich die Nachfrage reduziere, sagte Österreich-Chef Klaus Peter Fouquet gestern. Der Standort Hallein werde nicht infrage gestellt. Bosch Österreich konnte den Umsatz 2018 in allen vier Bereichen (Mobilität, Industrietechnologien, Konsumgüter sowie Energie- und Gebäudetechnik) um fast neun Prozent auf 1,36 Mrd. Euro steigern.

Für die Autoindustrie bleibt 2019 ein herausforderndes Jahr, vor allem wegen der massiven Rückgänge in China. Der VW-Konzern liegt mit seiner Kernmarke in den ersten fünf Monaten des Jahres mit weltweit rund 2,46 Millionen ausgelieferten Autos fünf Prozent unter dem Vorjahreswert. Ähnlich Daimler: Im Jahresverlauf steht man mit der Stammmarke Mercedes bei 938.499 verkauften Autos, das sind 4,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besser sieht es bei BMW aus, die heuer mehrere neue SUVs der X-Modellreihe vorgestellt haben. In den ersten fünf Monaten setzten die Bayern 872.000 Autos ab, ein Plus von 1,6 Prozent.

Positiv sehen Investoren alle neuen Ideen rund ums Auto und um Mobilitätsdienste: Start-ups haben im vergangenen Jahr 27,5 Mrd. Dollar Risikokapital erhalten. Doppelt so viel wie noch 2015, teilte die Unternehmensberatung Oliver Wyman mit. (red./ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2019)