Immer ernst bleiben, wenn man Nudelsuppe isst

Das Kudern überkommt einen wie Niesen.

Die Tage bis zu den Sommerferien werden heruntergezählt, die Vorfreude auf mehr als nur ein Eis pro Tag, nie schlafen gehen und viele unerlaubte Randsprünge ist groß. Diese letzten gloriosen Junitage sind nach der Notenkonferenz eine einzige Sommerparty. Wenn da nicht auch ein wenig Wehmut wäre: Eine lange Zeit wird das, ohne Schulfreunde, denn man ist immer abwechselnd weg, das war schon immer so.

Für jene, deren Volksschulzeit zu Ende geht, sind die letzten Tage besonders aufgeladen mit Emotionen. Manche können das Neue kaum erwarten, andere fühlen sich ein wenig unsicher, wie sich das Unbekannte anfühlen wird. Und ob sich unter den vielen neuen Menschen auch ein Freund finden lässt. Der eine kann sich umdrehen und mit Freude nach vorn schauen, dem anderen fällt es schwer.

Neue Freundschaften zu schließen ist kein Verrat an alten Weggefährten. Für die Kindheitsfreunde sind die wenigsten Erklärungen notwendig. Da war oft gar nicht klar, warum man einander mochte, der eine brachte einen zum Lachen, der andere verteidigte einen, wenn alles unfair war. Und wenn es krachte, dann war die Versöhnung meist näher, als die Tränen trockneten.

Die Vertrautheit bleibt, auch wenn vieles andere geht. Und später, auch wenn man sich nur ab und zu im Vorbeigehen trifft, ist schon der fröhliche Gruß allein wie ein Auffrischen der alten Bande. Manchmal reicht das Wissen, dass es den anderen gibt, die Streiche und der Spaß sind gespeichert, das haltlose Kudern, das einen wie Niesen überkam. Niemand wird vergessen, wie das ist, wenn man dabei gerade Nudelsuppe isst.

Die kleine Narbe am Bein erinnert an den Stacheldraht auf dem Dach, auf das niemand klettern durfte, und alle waren oben. Das, was war, ist der schönste Boden für Neues.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2019)