Digitalisierung: Wie Frauen profitieren

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Neue Anforderungen bringen Frauen in Gefahr, überrollt zu werden.

Diese Zahlen signalisieren Handlungsbedarf. Das Automatisierungszeitalter bedeutet: Jede vierte Frau und jeder dritte Mann werden sich bis zum Jahr 2030 in ein neues Berufsfeld einarbeiten müssen, zeigt eine aktuelle Studie von McKinsey unter dem Titel „The Future of Women at Work“. Auch wenn mehr neue Arbeitsplätze entstehen werden als wegfallen, laufen Frauen dennoch Gefahr, von den Chancen durch neue Jobprofile nicht in gleichem Maße zu profitieren wie Männer.

► Entwicklungen in Bereichen wie künstliche Intelligenz oder Machine Learning eröffnen zwar Frauen wie Männern neue Möglichkeiten, Frauen werden sich jedoch wegen gesellschaftlicher Traditionen wie Kindererziehung, unbezahlter Haushalts- und Pflegearbeit seltener für diese neuen Jobs qualifizieren können. „Frauen und Männer müssen in ihre Qualifikation investieren und bereit sein, ihre Ausbildung den technologischen Entwicklungen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt anzupassen“, sagt Julia Sperling, Partnerin bei McKinsey. Frauen seien hier besonders gefordert.

► Der Zugang von Frauen und Mädchen zu Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) lasse sich durch Sponsorings und spezielle Förderprogramme erhöhen, sind die Studienautoren überzeugt. Diese sollen nach Meinung der Studienautoren von drei Gruppen initiiert und betrieben werden: von staatlichen Einrichtungen, Unternehmen und Vereinen. Letztere sollten Informationsaufgaben übernehmen, aber auch Ausbildungsprogramme anbieten. Aus- und Weiterbildung (möglichst zielgerichtet im Hinblick auf neu entstehende Arbeitsplätze und -aufgaben) müssten auch von den Unternehmen angeboten werden. Die öffentliche Hand müsse sich um Rahmenbedingungen und Entlastung der Frauen (Kinderbetreuung, Pflege etc.) kümmern.

► Frauen, die bereits mitten in ihrer Karriere stehen, müssen darin unterstützt werden, Familie, Job und Weiterbildung unter einen Hut zu bekommen. Wichtig ist auch, die Mobilität zu stärken, mehr Flexibilität und dynamischere Karrierepfade anzubieten. „Frauen sind im Niedriglohnsektor überrepräsentiert, dafür in den technischen Berufen und Jobs, die Fachwissen voraussetzen, weniger stark vertreten. Wir müssen Frauen aktiv dabei unterstützen, die Qualifikations- und damit die Karriereleiter nach oben zu steigen“, sagt Sperling.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2019)