Reisen mit Kindern: Große Wirkung auf kleine Flugreisende

Reisen mit Kindern: Alles eine Frage der Planung
Reisen mit Kindern: Alles eine Frage der PlanungImago

Vom gut getimten Boarden über multifunktionale Post-its bis zum Becher mit Eiswürfeln: Profi-Tipps für Eltern, die mit dem Nachwuchs in den Flieger steigen.

Als ich selbst noch keine Kinder hatte, haben mich schreiende Kinder im Flugzeug furchtbar genervt. Heute bin ich bei dem Sound nur unendlich dankbar, dass es nicht meines ist.“ Mit diesen Worten eines ehrlichen Vaters werden sich wohl die meisten Flugreisenden auf der einen oder anderen Seite identifizieren können: Schreiende Kinder an Bord sind für niemanden ein Vergnügen – sich darüber aufzuregen macht die Situation auch nicht besser. Weshalb die „New York Times“ kürzlich ihre Leser dazu aufrief, ihre schlimmsten Erlebnisse und besten Tipps in Sachen fliegende Kinder einzusenden – herausgekommen ist eine Sammlung kleiner und großer Hilfestellungen, in der selbst Eltern, die glauben, schon alle Tricks zu kennen, noch etwas lernen können. Vom Timing bis zu Universalspielzeugen.

Vor dem Abheben

„Sitz nicht still, ehe du musst“, lautet eine der Grundregeln, wenn es ans Fliegen mit dem Nachwuchs geht. Viel besser kann die Zeit auf dem Boden genutzt werden, um herumzurennen, zu spielen, zu essen – und ganz wichtig: noch einmal die Toilette aufzusuchen. „Eine ganz frische Windel und eine leere Blase sind das, was man will, wenn man boarded“, bringt es eine Leserin auf den Punkt. Wobei man dies soweit wie möglich hinauszögern sollte, wie erfahrene Flugeltern berichten. So schön es auch sei, dass Airlines Eltern mit Kindern zuerst einsteigen lassen – im Endeffekt bedeute das, dass Kinder noch länger stillsitzen müssen als ohnehin. „Warte bis zur letzten Minute und vergiss den Platz im Gepäckfach“, rät ein Leser. Noch leichter geht es, wenn man zu zweit mit dem Kind fliegt: Während ein Elternteil das Angebot nutzt, samt Handgepäck und Buggy zu boarden und alles zu verstauen, geht der andere mit dem Kind zum Schluss an Bord und lässt es draußen noch einmal ordentlich Energie verbrennen.

Die Sitzplätze

Der Horror aller Eltern wie Mitreisender sind Kinder, die mit ihren Füßen fröhlich gegen die Lehne des Vordermanns treten. Daran haben sich auf diversen Flügen schon Kleinkriege entzündet – weshalb Debbie Ettington Eltern aktiver Kindern zu einem simplen Trick rät: „Wir wählen unsere Sitze so, dass einer vor unserer Tochter und einer neben ihr sitzt“, schreibt sie in der „New York Times“. „Denn es ist viel leichter, selbst diejenige zu sein, die einen Tritt abbekommt, als sich mit einem wenig mitfühlenden Passagier auseinandersetzen zu müssen.“ Davon abgesehen raten Eltern unisono zu einem Fensterplatz für den Nachwuchs – was ohnehin aus Sicherheitsgründen sinnvoll ist. Ebenfalls eine gute Idee auch für größere Kinder sind die Bulkhead-Reihen vor den Trennwänden, an denen auch die Babybettchen befestigt werden: Denn selbst wenn die Kinder dafür bereits zu schwer sind, lässt sich dort auf dem Boden eine Decke ausbreiten, auf der der Nachwuchs spielen kann.

Kleine Bestechungen

Um es gleich vorwegzunehmen: Natürlich sind kleine Geschenke, Spielzeug oder Süßigkeiten in gewissem Sinn Bestechung. Wer das ablehnt, wird ab diesem Absatz nicht viel Förderliches für die eigene Reise finden. Geht man damit weniger strikt um, können kleine Dinge eine größere Wirkung haben, als man glaubt. Angefangen mit Lollis, deren Lutschen wie das Trinken bei Start und Landung Kindern beim Druckausgleich helfen können. Natürlich sorgen Spielzeuge oder technische Gadgets eine Weile für Beschäftigung der Kinder, aber manchmal tun das auch simple, billige und leichte Alltagsgegenstände, wenn man weiß, was man damit tut. So schwört Ruth Martins auf alles, was klebt – von Kreppband bis Post-its.

„Kreppband bietet endlose Unterhaltungsmöglichkeiten“, schreibt sie. „Man kann es sich auf die Nase kleben, einen Verband oder eine Straße für das Spielzeugauto daraus machen.“ Ähnlich vielseitig seien Pflaster, schreibt eine weitere, „meine Zweijährige kann Stunden damit verbringen, jedes einzelne aus der Verpackung zu nehmen, auszuwickeln und aufzukleben.“ Und wenn man kreativ genug ist, lässt sich mit Post-its eine ganze Galerie in den Wolken anfertigen – in dem auf jedes ein Bild gemalt und das dann am Sitz, Fenster oder Tisch aufgeklebt und nach der Landung wieder eingesammelt wird.

Letzte Zuflucht

Außerdem als Geheimtipps gehandelt werden Luftballons – die beispielsweise als schnell aufgeblasene „Bälle“ im Flughafen wunderbar zur Ermüdung beitragen können – oder auch Pfeifenreiniger. Mit denen sich immer wieder aufs Neue Finger umwickeln, Armbänder herstellen und Figuren herstellen lassen. Flugbegleiter wissen auch, dass manchmal ein Plastikbecher mit Eiswürfeln reicht, um die Kleinen zu faszinieren. Andere Eltern schwören auf Rasierschaum oder Seife, mit denen das Kind auf Langstreckenflügen den Spiegel im WC verzieren – und natürlich auch wieder abwischen darf. Zumal die stillen Orte bei Schreianfällen ohnehin ein Geheimtipp als letzte Zuflucht sind: Zum einen berichten Eltern davon, dass die Ruhe und das Brummen der Motoren dort die Kinder umgehend beruhigten. Und die Mitreisenden ebenso – da die WCs in Flugzeugen erstaunlich schalldicht sind. (sma)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2019)