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Die Geschichte des Supra: Des Renners Seele

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2 Fast 2 Furious(c) ORF (-)

Wie es zum neuen Supra kam, der ja immer schon einen Hang zum Sportlichen hatte.

Die Geschichte des neuen Supra beginnt mit einem Anruf. Der ereilt Entwicklungschef Tetsuya Tada im Mai 2012 just während der Präsentation des Toyota GT86 in Barcelona.

„Du fliegst morgen nach München. Aber sag niemand etwas davon!“, lässt ihn das japanische Hauptquartier wissen. Herr Tada macht, wie ihm gesagt. Während die in Spanien verbliebene Toyota-Truppe verzweifelt nach ihrem verschwundenen Chefingenieur sucht, erörtert der Vermisste bei BMW die Grundzüge einer künftigen Zusammenarbeit. Sein Gesprächspartner ist damals Herbert Diess – er wird das Projekt aber nicht weiter betreuen, weil er, statt bei BMW Autos zu entwickeln, dann doch lieber Volkswagen retten will.

Es dauert ein wenig, bis darüber Klarheit herrscht, was für ein Modell es denn sein soll, das da gemeinsam entsteht. Etwa eineinhalb Jahre, man will ja nichts überstürzen. Als die Katze aus dem Sack ist, sind die Bayern erst einmal angemessen überrascht: Einen puren Sportwagen wollen sie bauen, die Japaner. Aha. Ein bestimmtes Verhältnis von Radstand und Spur soll er haben, weil so eines den dynamische Tugenden sehr zuträglich ist. Dazu einen Reihen-Sechszylinder vorn und Heckantrieb, bitte schön. Gut, dass die neue Plattform, die dafür her muss, sich auch ganz hervorragend als Basis für einen neuen Z4 eignet.
Der Output soll also ein Coupé für Toyota und ein Cabrio für BMW sein. Als praktische Fingerübung wird Ende 2014 in München gemeinsam ein 2er Coupé auf die entsprechenden Maße gestutzt. Die auf den bekannten BMW-Testrouten ständig auf der Lauer liegende Carspotter- und Blogger-Szene ist hocherfreut und postet begeistert Bilder vom „neuen 1er“.



Als das gemeinsame Kind dann tatsächlich auf der Welt ist, nehmen vereinbarungsgemäß beide Partner eine Basisversion davon zu sich und machen allein weiter. Man beschließt auch, dass danach bei Magna die Serienreife vorbereitet und am Ende auch die Produktion verortet sein wird. Die Bayern sind zu dem Zeitpunkt aber ziemlich sicher, dass sich die Japaner mit ihrem Konzept irgendwie verrannt haben. Das hilfreiche Gespräch, der interkulturelle Dialog könnte sich in etwa so angehört haben, wir lassen unserer Fantasie freien Lauf:
„Sayonara mitn’and! Hurcht’s amoi, des mit dem oargn Sportwogn . . . mecht’s eich des vülleicht no übalegn? Wer soi’n des am End kaffa? Woit’s net wos ondas mochen, a bissl breitentauglicha, hm?“
– „No.“

Toyota schmiedete den Supra auf dem Nürburgring und auf Alpenpässen.



Die konstruktive Sturheit der Japaner findet zwar kein Verständnis, aber immerhin Akzeptanz. Unnötig zu erwähnen, dass heute jeder dem anderen für seine Arbeit ausdrücklich Rosen streut. BMW entwickelt seinen Roadster zu Ende und testet ihn wiederum in der Umgebung Münchens. Das allerdings finden die Toyota-Leute seltsam. Wie soll man beim Herumschleichen in den Vororten ein ordentliches Auto zustande bringen? Sie schmieden ihren Supra konsequenterweise auf dem Nürburgring und den Passstraßen der fränzösischen Seealpen. Frühkindliche Prägung macht offenbar auch bei Autos was aus – weil die unterschiedlichen Geschwister am Ende ganz nach ihrer Kinderstube geraten: Der Z4 ist für den Gebrauch in und um München perfekt – und der Supra für Rennstrecken und einsame Bergpässe gemacht. Die Familienzusammenführung findet danach wie geplant bei Magna in Graz statt – wie sich beide Hersteller einig sind, derzeit die beste Adresse für die Fertigung automobiler Feinkost. Und als ebensolche laufen die beiden dort nun nebeneinander vom Band.