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Experte sagt "langsames Dahinsiechen" des Euro voraus

Experte Papierwaehrungen verlieren Glaubwuerdigkeit
(c) Reuters (Jonathan Ernst)
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Der renommierte Finanzhistoriker Niall Ferguson glaubt nicht an einen raschen Niedergang des Euro: "Die Europäer werden sich zunächst durchwursteln". Er zweifelt an der Glaubwürdigkeit von Papierwährungen.

Das 750 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für schwächelnde Euro-Staaten sei nur eine Notlösung, warnt der renommierte Finanzhistoriker Niall Ferguson im Interview mit dem "Handelsblatt". "Das grundsätzliche Problem der Euro-Zone bleibt: Es gibt nach wie vor keinen Mechanismus für finanzielle Transfers zwischen den Mitgliedstaaten. Ohne neue EU-Verträge lässt sich das auch nicht machen", sagt Ferguson.

Am Weg zu den "Vereinigten Staaten von Europa"?

Bereits vor wenigen Tagen sah Ferguson die EU in einem "Newsweek"-Kommentar vor einem Scheidepunkt stehen: Europa könne sich zu den Vereinigten Staaten von Europa weiterentwickeln oder nicht viel mehr bleiben als eine moderne Ausgabe des Heiligen Römischen Reichs, das früher oder später auseinanderfallen werde.

Der Fehler der Europäischen Währungsunion liege in deren Wurzeln. Als die Währungsunion geschaffen wurde, seien zwar die europäischen Währungen verbunden worden, gleichzeitig sei aber die Fiskalpolitik vernachlässigt worden und unkoordiniert geblieben.

Heute kann der Finanzhistoriker laut "Handelsblatt" zudem keinen politischen Willen erkennen, die Vereinigten Staaten von Europa zu schaffen. "Der Lissabon-Vertrag scheint der Höhepunkt der europäischen Integration gewesen zu sein", meint Ferguson.

"Langsames Dahinsiechen des Euro"

Ferguson zweifelt offen an Papierwährungen: "Ich befürchte, dass wir uns mit einer Welt abfinden müssen, in der Papierwährungen allgemein ihre Glaubwürdigkeit verlieren und wir wieder mehr auf Rohstoffe als Währungsstandards zurückgreifen müssen."

Der Euro werde zu einer Weichwährung, ist der Experte überzeugt. An ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone glaubt er vorerst aber nicht. "Die Europäer werden zunächst zusammenbleiben und sich durchwursteln". Das Schicksal des Euro könne aber sein "nicht einfach mit einem Knall auseinanderzubrechen, sondern langsam dahinzusiechen".

(phu)