RTL-Journalist produzierte jahrelang manipulierte Beiträge

Erstmals langten Hinweise im Mai bei der Geschäftsführung ein.(c) imago images / Future Image (Christoph Hardt via www.imago-images.de)

Es erinnert an den „Fall Relotius": RTL hat einen Reporter entlassen, der über Jahre verzerrte Nachrichten auf Sendung brachte.

Hamburg. Nun hat auch das Fernsehen seinen „Fall Relotius“: Ein Mitarbeiter des deutschen Senders RTL Nord, ein Regionalsender von RTL für Hamburg und Schleswig-Holstein, hat über Jahre manipulierte Beiträge auf Sendung gebracht. Es geht um bisher sieben Fälle, wobei die Beiträge meist im Mittagsmagazin „Punkt 12“ kamen.

Die deutsch-luxemburgische RTL-Gruppe machte den Fall am Freitag selbst publik. Nach Hinweisen einer Kollegin des 39-jährigen Journalisten und einer gründlichen Prüfung habe man, wie es hieß, in mindestens sieben Fällen „bewusst verfälschende Eingriffe“ in den Inhalt der Beiträge, die thematisch regionaler Natur waren, nachgewiesen. In Gesprächen mit der Chefredaktion von RTL sowie der Geschäftsführung von RTL Nord habe der Reporter versucht, die Vorwürfe zu relativieren. Die Beweislage sei aber eindeutig gewesen. Man habe den Mann entlassen, werde alle seine Beiträge der vergangenen zwölf Jahre prüfen und wolle klären, wie man so etwas besser verhindern könne.

Der erste Hinweis langte Mitte Mai in der Geschäftsführung ein. Eine Mitarbeiterin gab an, dass eine Story über Missbrauch von Arzneien nicht mit dem filmischen Rohmaterial übereinstimme, das der Mann gedreht hatte.

„Rote Linien überschritten“

Die Beiträge seien, wie es heißt, „zwar nicht erfunden, aber handwerklich und inhaltlich sehr geschickt dahingehend manipuliert, dass sie aufregender und größer wirken sollten, als es die Realität hergab“. Damit habe der Mann, dessen Name nicht genannt wurde, „rote Linien des Journalismus überschritten“. RTL-Chefredakteur Michael Wulf sagte, dass man an die „journalistische Aufrichtigkeit“ der Reporter und die eigenen Kontrollmechanismen glaube. Der Fall zeige aber, dass man „nicht völlig fehlerresistent“ sei. (ag./red.)[PJSQ4]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2019)