Die Facebook-Coin: Eine Münze, um sie alle zu knechten

FILES-US-IT-LIFESTYLE-PRIVACY-FACEBOOK
APA/AFP/LIONEL BONAVENTURE

Am Dienstag will Mark Zuckerberg das Gründungsdokument seiner Währung vorstellen. Visa, Mastercard und Uber sind an Bord. Wird Facebook Kryptowährungen salonfähig machen – und dabei einen neuen Standard schaffen?

Facebook macht ernst mit seinen Plänen, eine eigene Kryptowährung einzuführen. Am Dienstag will das weltgrößte soziale Netzwerk ein so genanntes Whitepaper vorlegen, was offenbar eine direkte Referenz an Bitcoin sein soll, das ebenfalls mit so einem Whitepaper ins Leben gerufen wurde. Der Unterschied: Facebook wird nichts dem Zufall überlassen. Auch den Preis seiner Währung nicht. Anders als etwa Bitcoin oder Ethereum wird die Facebook-Münze an „normale“ Währungen gebunden sein, berichtet das „Wall Street Journal“. Aber nicht nur an den US-Dollar, sondern an einen ganzen Korb an Währungen. Wie genau das funktionieren soll, werden wir am Dienstag erfahren. Was Facebook hier plant, ist – in Anlehnung an „Herr der Ringe“ – eine Münze, um sie alle zu knechten. Wobei damit weniger die Kunden gemeint sind als die traditionellen Zahlungsverkehrssysteme.

So wurde bereits berichtet, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Gebühren abschaffen will, von denen Kreditkartenfirmen leben. Er meint, Geld zu versenden müsse so einfach sein „wie ein Foto zu verschicken“. Und da hat er sicherlich recht. Visa, Mastercard und PayPal lassen sich deshalb gar nicht erst auf einen Krieg ein, sondern machen einfach mit. Sie gehören laut „WSJ“ zu den ersten Partnern eines Konsortiums, das Facebook rund um die neue Währung bilden will. Insgesamt eine Milliarde Dollar will man in eine Reserve einzahlen, die als Deckung der Coin fungieren soll.

Keine echte Kryptowährung

Anfänglich werden die Teilnehmer des Konsortiums je 10 Millionen einzahlen. Auch Firmen wie Uber, Booking.com und die Bezahlplattform Stripe sind schon dabei. Der Name der neuen Währung: vermutlich „Libra“.  So hat auch das Facebook-interne Geheimprojekt geheißen.

Für Facebook ist der offene Zugang vorteilhaft. So wie Volkswagen seinen Baukasten für Elektroautos auch anderen Herstellern zu Verfügung stellen wird, will Facebook offenbar den globalen Standard für Zahlungsverkehr im Internet schaffen. Wenn es funktioniert, könnte „Libra“ eine neue Plattform für den Onlinehandel sein. Facebook will über dieses neue Geld-Netzwerk User, Händler und Werber zusammenbringen. So sollen etwa Instagram-Nutzer direkt bei den Influencern einkaufen können, denen sie folgen.

Auch will man offenbar die Messaging-Plattform Whatsapp in Richtung E-Commerce bewegen – und damit auch Amazon Paroli bieten. Das kommende Whitepaper soll nicht nur von Facebook, sondern von allen Konsortiums-Mitgliedern unterschrieben sein.

Innerhalb der Krypto-Community ist die Meinung gespalten. Puristen beklagen sich, dass eine an echtes Geld gebundene Währung keine Kryptowährung im eigentlichen Sinn ist. Enthusiasten halten dem entgegen, dass Facebooks Vorstoß dem Sektor große Legitimität verleiht und ultimativ auch Vorreitern wie Bitcoin nutzen kann.

Ein „brandneues Zahlungsnetzwerk“ 

Die meisten warten gespannt auf die Antwort auf die Frage, welche Technologie Facebook einsetzen will. Sollte der Megakonzern sich für eine bereits etablierte Blockchain wie Ethereum, Eos oder Stellar entscheiden, würden die Kryptomärkte wohl entsprechend enthusiastisch reagieren. So wie der Plan derzeit aussieht, ist der Krypto-Vorstoß von Mark Zuckerberg jedenfalls kein reiner Marketing-Gag. Tatsächlich braucht er die Blockchain-Technologie, um sowohl von den Partnern als auch den Usern genügend Vertrauen zu bekommen. Dafür benötigt es Transparenz und eine dezentrale Organisation.

Weder Facebook noch die Konsortiums-Mitglieder sollen Einfluss auf den Wert oder die Geldpolitik hinter „Libra“ haben. Zwar wird die Blockchain von den Konsortium-Firmen betrieben, die Funktionsweise ist aber im Whitepaper und später im Code festgeschrieben – wie bei herkömmlichen Kryptoassets. Die regulatorischen Hürden sind zwar in vielen Ländern sehr hoch, schreibt das „WSJ“. Aber wenn es funktioniert, könnte hier ein „brandneues Zahlungsnetzwerk“ entstehen.


[PJC09]