Mundpropaganda bringt Aufträge

„Essen ist das billigste Marketinginstrument“, sagt Do & Co-Chef Attila Dogudan.
„Essen ist das billigste Marketinginstrument“, sagt Do & Co-Chef Attila Dogudan.(c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Do&Co setzt mit mehreren Großprojekten zum Sprung auf die 1,5-Milliarden-Umsatzmarke an. Jetzt will das Unternehmen in das Onlinegeschäft einsteigen.

Wien. Drei „mühsame“ Jahre lang haben Attila Dogudan und sein Finanzchef, Gottfried Neumeister, um Großaufträge gerungen – vor allem in der Türkei gab es ein langwieriges Hin und Her. Das spiegelte sich auch in moderaten Geschäftszahlen und Kursverlusten wider, wofür Do&Co von den zweistellige Zuwächse gewohnten Analysten geprügelt worden ist. Jetzt hat das Cateringunternehmen einen neuen 15 Jahre laufenden Kontrakt mit Turkish Airlines in der Tasche, zwei zehnjährige Großaufträge von British Airways und Iberia sowie etliche weitere neue Kunden gewonnen. Was für Dogudan kein Grund ist, sich zurückzulehnen.

„Wir haben Auftragssicherheit für zumindest zehn Jahre und zünden eine neue Entwicklungsstufe. In drei Jahren wollen wir 1,5 Mrd. Euro Umsatz haben – ohne Zukäufe“, sagte der Do&Co-Miteigentümer am Freitag bei der Präsentation der Geschäftszahlen 2018/19.

 

31 Großküchen

250 Millionen Menschen werden pro Jahr von Do&Co bekocht, unter anderem sind das 113 Millionen Passagiere von 60 Fluglinien, die aus 31 Gourmetküchen weltweit versorgt werden. Dazu kommen zig Tausende VIPs bei großen Events – vom Formel-1-Rennen über Fußball- und Tennisturniere bis zu Skirennen – und dem Filmfestival auf dem Wiener Rathausplatz. Überdies betreibt das in Wien und Istanbul börsenotierte Unternehmen Restaurants (inklusive der Selfservice-Kette Henry), Business- und First-Class-Lounges auf Flughäfen, den Gourmet-Shop Hediard und ein Hotel (in Wien).

„Unsere Zutaten sind Qualität, Innovation und motivierte und qualifizierte Mitarbeiter“, umreißt Dogudan sein Konzept, an dem er auch in härteren Jahren eisern festgehalten hat. Denn: „Wir verkaufen nicht Essen, sondern Unterhaltung.“ Die Kunden selbst brächten Airlines und Veranstalter dazu, Do&Co zu engagieren. So sei das auch bei British Airways gelaufen, wo Passagiere dem CEO gemailt hätten, was sie für ein super Essen auf einem Flug bekommen hätten, auf einem anderen Flug aber nicht. Daraufhin hätten die Briten den Auftrag für alle BA-Flüge ab London erteilt.

„Essen ist das billigste Marketinginstrument“, predigt Dogudan seit Jahren den Fluglinien, die bei Restrukturierungen den Rotstift zuerst bei Speis und Trank angesetzt haben. Das sei in der Economyclass verständlich, in der die Tickets wenig kosten. Aber in der Businessclass stehe der Preis eines Tickets in keiner Relation zu den Kosten eines Essens. Die lägen auf einem Europa-Flug bei fünf bis zehn Euro, lüftet Dogudan erstmals Details der Kalkulation. Auf der Langstrecke lägen die Kosten bei rund 30 Euro – bei Ticketpreisen von 3000 Euro aufwärts.

Nicht nur Turkish Airlines, für die Do&Co auf dem neuen Istanbuler Flughafen eine Großküche baut, setzt auf rot-weiß-rotes Catering-Know-how. Zu den neuen Airline-Kunden zählen mit Cathay Pacific und Singapore zwei wichtige asiatische Airlines, in den USA kam Jet Blue dazu. Mit der AUA wurde der Vertrag drei Jahre verlängert.

 

Neues Hotel in München

Im Eventbereich spielt die Kooperation mit Bayern München eine große Rolle. Im Münchner Zentrum im Haus der FC-Bayern-Erlebniswelt baut Do&Co zwei Restaurants und ein Hotel. Apropos Fußball: Die Champions-League-Finals 2019, 2020 und 2021 hat Do&Co ebenso fix in der Tasche wie die Euro 2020. „Es ist die Kombination unserer Erfahrungen in allen Sparten, die unseren Erfolg ausmacht“, sagt Dogudan. Das will er nun im Onlinegeschäft nützen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr fiel der Umsatz nur um 1,6 Prozent auf 847,8 Mio. Euro, obwohl knapp 100 Mio. Euro durch den Verfall der Türkischen Lira verloren gingen. Das Betriebsergebnis stieg um 1,6 Prozent auf 51,45 Mio. Euro, der Nettogewinn um 8,3 Prozent auf 26,4 Mio. Euro. Die Dividende bleibt bei 85 Cent je Aktie. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2019)