U21-EM. Der Serbe Luka Jović oder Italiens Moise Kean sind Fans längst ein Begriff, andere Jungprofis werden erst von sich reden machen. Sie alle wollen in berühmte Fußspuren treten.
Triest/Wien. Die große Bühne des berühmten Santiago-Bernabeú-Stadions in Madrid ganz für sich hatte Luka Jović am Mittwoch. Da präsentierte Real Madrid den serbischen Stürmer offiziell als Neuzugang für die kommende Saison. Inklusive Bonuszahlungen soll sich die Ablöse für den 21-Jährigen auf 65 Millionen Euro belaufen, Jović ist damit der wertvollste Spieler, der bei der diesjährigen U21-EM in Italien und San Marino aufläuft. Heute (18.30 Uhr, live, ORF1) in Triest wird er die österreichische Abwehr (siehe Artikel unten) beschäftigen.
U21-Endrunden sind traditionell ein Schaulaufen der Stars von morgen. In der Vergangenheit haben Größen wie Laurent Blanc (1988), Luís Figo (1994), Andrea Pirlo (2000) oder Thiago (2013) aufgespielt, sie alle wurden auch als Spieler des Turniers ausgezeichnet. Jović ist Fußballfans freilich schon jetzt ein Begriff, 27 Tore in 48 Pflichtspielen für Eintracht Frankfurt in der abgelaufenen Saison sprechen für sich. Mit 17 Treffern in der Bundesliga war er die Nummer drei der Schützenliste, im Oktober gelangen ihm als 17. und Jüngstem in der höchsten deutschen Spielklasse fünf Tore in einem Spiel. „Er ist ein Stürmer, wie ich ihn selten gesehen habe“, schwärmte Trainer Adi Hütter. Bereits im Juni 2018 debütierte der Jungstar in der serbischen Nationalmannschaft und kam auch vor wenigen Tagen noch in der EM-Qualifikation zum Einsatz.
Nicht alle Stars dabei
Jović ist bei Weitem nicht der einzige Spieler bei diesem Turnier, der bereits Erfahrung im A-Team gesammelt hat. Drei Länderspieleinsätze für Italien hat etwa Juventus-Shootingstar Moise Kean zu Buche stehen, mit 19 Jahren wäre der Stürmer im Übrigen sogar noch für die nächste U21-Endrunde spielberechtigt. Gleiches gilt für Romas Mittelfeldmann Nicolò Zaniolo, der im März erstmals bei den „großen“ Azzurri auflief.
Auch Titelverteidiger Deutschland darf auf die erfahrenen Verteidiger Jonathan Tah und Lukas Klostermann zählen. Die ebenfalls noch spielberechtigten Leroy Sané, Thilo Kehrer oder Timo Werner hingegen fehlen, sie sind trotz ihres jungen Alters bereits in die Mannschaft von Joachim Löw integriert. Dem DFB-Teamchef nachhaltig empfehlen wollen sich nun die Eggestein-Brüder Maximilian und Johannes (beide Bremen) oder BVB-Mittelfeldspieler Mahmoud Dahoud.
Dem französischen Team fehlt mit PSG-Star Kylian Mbappé der teuerste Fußballer dieser Altersklasse. Im Aufgebot stehen mit Moussa Dembélé, Houssem Aouar (beide Lyon), Mattéo Guendozi (Arsenal) oder dem Ex-Salzburger Dayot Upamecano (Leipzig) trotzdem noch genug interessante Namen und auch ein altbekannter: Marcus Thuram ist der älteste Sohn von Ex-Teamspieler Lilian Thuram, hat im Gegensatz zu seinem berühmten Vater seine Stärken jedoch in der Offensive.
Den nominell wertvollsten Kader aller zwölf EM-Teilnehmer stellt Spanien. Bereits 2017 in Polen wurde Dani Ceballos als bester Spieler der U21-EM ausgezeichnet, er zählt ebenso wie sein Real-Madrid-Klubkollege Jesús Vallejo, Valencias Carlos Soler und Mikel Oyarzabal von Real Sociedad zu den Stützen im diesjährigen Kader. Nach der Finalniederlage gegen Deutschland im Vorjahr wollen die Spanier heuer mit ihrem fünften Titelgewinn zu Rekordsieger Italien aufschließen.
Beinahe eine ganze Elf von klingenden Namen hat England zu Hause gelassen, in den Blickpunkt rücken stattdessen Phil Foden (Man City), Ryan Sessegnon (Fulham) oder Reiss Nelson (Hoffenheim). In den Notizbüchern der zahlreichen Scouts, die sich angekündigt haben, sind mit Sicherheit auch Jacob Bruun Larsen (Dänemark/Dortmund), Dodi Lukebakio (Belgien/Düsseldorf) oder Josip Brekalo (Kroatien/Wolfsburg) vermerkt – und gewiss der eine oder andere Österreicher.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2019)