Migrantische Senioren sollen ihren Lebensabend nicht mehr „sprachlos“ verbringen.
Eigentlich wäre das Aufzeigen von Problemen ja Sache der Opposition. Aber da kommt ja nichts, also mache ich meine eigene Opposition.“ Mit diesen Worten leitete Wiens Bürgermeister Michael Häupl im Gespräch mit Journalisten das Kapitel ein, bei dem es um Probleme im Integrationsbereich ging. Und tatsächlich kämpfe die Stadt in einem Bereich mit Schwierigkeiten: So kämen im Zug der Familienzusammenführungen Jugendliche nach Wien, die über das Schulpflichtalter hinaus sind. 400 bis 500 davon hätten mangels Deutschkenntnissen weder Perspektiven, noch seien sie besonders gut ansprechbar für Information. Und Häupl legt nach: „Das ist der Stoff, aus dem die Jugendbanden gemacht sind.“
Damit war das Kapitel der Probleme aber auch schon beendet und Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger konnte die großen Erfolge der Stadt Wien im Integrationsbereich loben. Dazu zählte sie etwa das Modell „StartWien“ auf, mit dem Neuzuwanderern mit Sprachcoachings und Informationen geholfen werden soll, in Wien schnell Fuß zu fassen. Mehr als 80 Prozent der Menschen hätten dieses Angebot im Vorjahr angenommen. Und rund 11.000 Menschen, zählte sie auf, hätten im Vorjahr an den verschiedenen Deutschkursen der Stadt teilgenommen.
Allerdings, da wäre noch eine Gruppe von Migranten, an die man sich jetzt mit Maßnahmen verstärkt heranpirschen wolle. Diesmal allerdings nicht an die jugendlichen Problemfälle, sondern im Gegenteil an ältere, männliche Migranten. Jene nämlich, die ihre Pension vornehmlich in Parks verbringen – jedoch auch nach Jahrzehnten in Österreich noch nicht adäquat Deutsch beherrschen würden. „Die wollen wir nicht sprachlos ihren Lebensabend verbringen lassen“, so Frauenberger. Den Kontakt sollen Parkbetreuer aufbauen – und sie über Angebote für Kurse, etwa an den Volkshochschulen, informieren. Ein Pilotprojekt sei bereits im Laufen.
Wenig überraschend, dass sich die SPÖ-Stadtregierung mit der eigenen Integrationspolitik insgesamt zufrieden zeigt. „Es ist unser Ziel, das Vorurteil zu brechen, dass Integration in der Großstadt versagt“, fasste Häupl zusammen. Ob dieser Optimismus schon in der Bevölkerung angekommen ist, ist eine andere Frage: Bei einer EU-Umfrage unter Bewohnern von 75 europäischen Städten gaben 64 Prozent der Wiener an, dass Ausländer eher nicht oder überhaupt nicht gut integriert seien. Was ja für die Opposition ein interessanter Hinweis sein könnte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2010)