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Facebook legt sich mit Dollar und Bitcoin an

Der Internetgigant Facebook steigt ins Geldgeschäft ein.
Der Internetgigant Facebook steigt ins Geldgeschäft ein.(c) REUTERS (Stephen Lam)
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Facebook will mit Libra eine neue „Währung für die Welt“ schaffen.

Wien. Der Internetgigant Facebook steigt ins Geldgeschäft ein. Am Dienstag wurde die Kryptowährung Libra vorgestellt, die als Basis einer neuen, digitalen Weltwirtschaft dienen soll. Dabei geht es, wie die veröffentlichten Unterlagen deutlich machen, zuerst um die Erschließung von Märkten in Schwellen- und Entwicklungsländern, wo rund 1,7 Milliarden Menschen bis heute keine Bankkonten oder Zugang zu Finanzmärkten haben.

Facebook will auch Migranten ansprechen, die heute auf teure Dienste angewiesen sind, wenn sie Geld in die Heimat übertragen wollen. Die Pläne des Social-Media-Imperiums, zu dem neben Facebook auch Instragram und Whatsapp gehören, gehen aber noch viel weiter. Libra soll eine Art finanzielles Betriebssystem für die rund zwei Milliarden User dieser Dienste weltweit werden. Um das zu erreichen, hat Facebook sich mit einem Konsortium aus Finanz-, Kreditkarten-, Telekom- und Blockchain-Firmen zusammengetan.

Wie Libra funktionieren soll? Technisch ist es an Bitcoin angelehnt, im Hintergrund wird eine Blockchain laufen, die von dem Konsortium gemeinsam betrieben wird. Rechtlich soll sich ein Non-Profit mit Sitz in der Schweiz darum kümmern. Facebook selbst und auch die einzelnen Konsortiums-Mitglieder werden keine zentrale Verfügungsgewalt über das Netzwerk haben, das für jedermann zugänglich sein soll. Ökonomisch soll Libra aber viel mehr an klassische Währungen erinnern. Um einen stabilen Kurs zu erreichen, soll die Währung an einen Korb aus staatlichen Währungen und Staatsanleihen gebunden sein, wobei die Details zur Zusammensetzung dieser „Reserve“ noch nicht bekannt gegeben wurden.

 

Uber, Visa und Mastercard sind dabei

Wer die Facebook-Währung ab 2020 in den Apps Whatsapp und Messenger nutzen will, muss Facebook zuvor seine Daten bekannt geben. Es sei aber nicht geplant, Daten zum Zahlungsverkehr zu erfassen, sagte Kevin Weil, Vice-Chef bei Calibra, wie die Krypto-Wallet von Facebook heißt. Die Informationen von Facebook-Accounts und der Wallet sollen nicht miteinander vermischt werden, heißt es. Zuvor gab es Spekulationen, wonach Facebook seine Währung mit dem Werbegeschäft vermischen wolle.

Weil Libra auf einer Blockchain läuft, dürfte es auch für externe Entwickler möglich sein, Wallets zu entwickeln – auch solche, in denen User ihre Gelder anonym verstauen können. Gebühren für die Nutzung von Libra sollen zwar auf Seiten der Händler anfallen, aber nicht beim Verschicken von Geld zwischen Usern. Aber auch diese Kosten sollen um das Zehnfache niedriger liegen als bei bestehenden Lösungen. Die Kreditkartenfirmen Visa und Mastercard sind Teil des Libra-Konsortiums. Ebenso Uber und Konkurrent Lyft. Facebook wünscht sich, dass andere Firmen die Technologie für den Aufbau einer gänzlich neuen Finanz-Infrastruktur nutzen.

Laut David Marcus, dem ehemaligen Messenger-Chef und nunmehrigen Projektleiter bei Libra, wird die Facebook-Coin mit existierenden Kryptowährungen wie Bitcoin koexistieren. Spekulanten werden sich für die Währung aufgrund der geplanten Stabilität ohnehin nicht interessieren. Für den Wissenschaftler Bernhard Haslhofer, Krypto-Experte beim Austrian Institute of Technology, ist die Entwicklung logisch: „Dieses Phänomen kann man immer wieder beobachten. Innovation geschieht oft dezentral und wird dann stark zentralisiert. Es gab eine Zeit, in der wir direkt untereinander MP3s getauscht haben. Dann kam Apple und hat das Geschäft übernommen – und zentralisiert.“

 

Auf Augenhöhe mit dem Dollar?

So gesehen wird Libra klassischen Währungen ähnlicher sein als Bitcoin. Auch wenn dahinter ein Konsortium steht und keine Zentralbank. Sollte es aber gelingen, Libra gegenüber großen Währungen wie Dollar oder Euro stabil zu halte, könnte sich Libra rasch als Alternative für Menschen aus Schwellenländern erweisen, die unter massiven Währungsabwertungen leiden müssen. In diesen Märkten könnte Libra also nicht nur eine Konkurrenz für die nationale Währung sein, sondern auch den Dollar als Zweitwährung verdrängen.

Ultimativ sieht Facebook seine Währung Libra tatsächlich auf Augenhöhe mit Weltwährungen wie Dollar oder Euro. Die am Dienstag vorgestellten Gründungsdokumente von Libra machen daraus kein Geheimnis. Libra werde eine „simple, globale Währung“ sein, heißt es da. Überschrift: „Libra ist für die Welt.“ Libra-Chef David Marcus ist von PayPal zu Facebook gekommen. Seine alte Firma ist Teil des Konsortiums, genauso wie Ebay und Spotify. „Von so etwas habe ich viele, viele Jahre lang geträumt“, sagte er am Dienstag.

An der Börse wurden die Pläne gefeiert, der Kurs der Facebook-Aktie ging zu Handelsbeginn am Dienstag rauf.

Bitcoin–Fans sind skeptisch. Und überrascht. Denn so wie Libra derzeit konzipiert ist, könnte sich die Facebook-Coin tatsächlich als Brücke zwischen der alten und der neuen Finanzwelt eignen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2019)