„Der Name einer Universität spielt keine Rolle“

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Forscherin Georgiana Mihut versandte 2400 fiktive Bewerbungen. Die Kandidaten hatten die gleichen Fähigkeiten, absolvierten ihre Ausbildung aber an unterschiedlich renommierten Hochschulen.

Wien. Häufig sind Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien durchaus erwartbar. In diesem Fall sind sie das nicht. „Die meisten Menschen sind überrascht, wenn ich ihnen meine Forschungsergebnisse präsentiere“, sagt Georgiana Mihut. So war das auch am Montag, als die Forscherin, die derzeit im Rahmen eines Ernst Mach-Stipendiums einen Forschungsaufenthalt am Institut für Höhere Studien (IHS) absolviert, ihre erst kürzlich abgeschlossene Dissertation präsentierte.

In der am Boston College verfassten Arbeit geht Mihut der Frage nach, welchen Einfluss der Ruf einer Universität, also das Prestige, auf den Bewerbungsprozess hat. Dazu verschickte sie 2400 fiktive Bewerbungen für einen Job in den Bereichen Buchhaltung bzw. Informations- und Kommunikationstechnik in den Ländern Großbritannien, Australien und USA. Die Bewerber wiesen laut versandtem Lebenslauf die gleichen Fähigkeiten auf, haben die aber an unterschiedlich renommierten Hochschulen erworben. Mihut analysierte die Rückrufe. Das Ergebnis: „Der Name der Universität spielt keine Rolle“, so die Wissenschafterin zur „Presse“.

Generell würden Absolventen von prestigeträchtigeren Hochschulen sehr wohl Vorteile haben. Es gibt etwa Studien, die zeigen, dass sie über ihre gesamte Karriere gesehen mehr Geld verdienen. Mihut hat sich aber auf den ersten Bewerbungsschritt konzentriert – auf das Versenden von Lebensläufen und die Rückmeldungen. Hier brachte der gute Name einer Uni keinen Vorteil. „Es war nicht so, dass die Arbeitgeber die Fähigkeiten lediglich wichtiger bewerteten als den Ruf der Institution, sondern vielmehr habe ich gar keinen Prestige-Effekt gefunden. Das fand ich selbst überraschend“, so Mihut.

 

Bessere Netzwerke an Eliteuni

Die fiktiven Bewerber kamen nicht von den renommiertesten Eliteuniversitäten wie Harvard, Oxford usw., sondern von sehr namhaften anderen Top-Unis, die in den internationalen Rankings stets unter den besten hundert Institutionen rangieren. Sie wurden Bewerbern von weniger prestigeträchtigen Hochschulen gegenüber gestellt. Die Forscherin räumt ein, dass sie selbst davon ausgegangen sei, dass es gerade in diesem ersten Bewerbungsschritt sehr wohl wichtig sei, an welcher Hochschule man die Ausbildung machte. Hier hat der Arbeitgeber ja noch keinen persönlichen Eindruck. Das bestätigte sich aber nicht.

Insofern rät die Wissenschafterin angehenden Studenten, sich jene Universität auszusuchen, an der man besser lernen kann, und nicht auf den Ruf zu achten. Das gelte vor allem dann, wenn es einen großen Kostenunterschied zwischen den Institutionen gebe. Falls nicht rät aber auch sie zur prestigeträchtigen Uni. Hier ließen sich bessere Netzwerke schmieden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2019)