Jacques Offenbach: Was der Meister des Cancan sonst noch alles kann

Jacques Offenbach: „Musik für Cello und Klavier“(c) Sony Classical

KritikRaphaela Gromes und Julian Riem nahmen eine beschwingte CD mit Cello-Werken von Jacques Offenbach auf.

200 Jahre sind seit dem Geburtstag von Jacques Offenbach vergangen. Und weil es in der Musiktheaterwelt aufgrund des lähmenden Zugriffs der Regisseure der Operette womöglich noch schlechter geht als der Oper, gratuliert man dem Genie der leichten Muse vielleicht am adäquatesten, wenn man sich seiner Instrumentalmusik erinnert. Diese steht nämlich im Schatten des Meisters der „Bouffes Parisiens“ und seiner parodistisch-frechen, heute würde man sagen: kabarettistischen Bühnenkunst.

Dabei war der Erfinder der Operette, der nicht zuletzt dank der Interventionen eines Johann Nestroy auch zum Ahnvater ihrer wienerischen Spielart wurde, zuallererst einmal ein Cellovirtuose. Der Vater, jüdischer Kantor, erkannte das Talent seines Buben, der es als Autodidakt zu hoher technischer Fertigkeit gebracht hatte und auch als Kind bereits hübsche Kompositionen verfertigen konnte. Man übersiedelte nach Paris, wo Offenbach junior zunächst ein Hungerleider-Dasein als Orchestermusiker führen musste, aber als Solist von den Rezensenten in den Rang eines „Franz Liszt des Violoncellos“ gehoben wurde.

Aus jener Periode stammen mehrere Dutzend anspruchsvolle Stücke für sein Instrument, von denen nun zum Jubiläum vom Duo Raphaela Gromes und Julian Riem, einem deutschen Paar, einige Kostbarkeiten auf CD neu vorgestellt wurden. Die beiden Musiker waren schon für ihre Rossini-CD vor zwei Jahren auf der Suche nach ungehobenen Schätzen – und fanden in Offenbachs Nachlass eine brillante „Hommage à Rossini“. Was sie sonst bei dieser Gelegenheit fanden, birgt diese zweite CD der Serie. Sie führt uns Jacques Offenbach als Kenner aller musikalischer Ausdrucksgenres vor Ohren.

 

Kongeniales Musikantengespann

Die Elegie „Les Larmes de Jacqueline“ ist von den Fundstücken das bekannteste, der einleitende „Danse bohèmienne“ das bravouröseste der Stücke. Gromes und Riem erweisen sich – wie schon bei ihrem Debüt im Vorjahr im Wiener Konzerthaus, als sie ihre kleine Offenbachiade der großen Richard-Strauss-Sonate gegenüberstellten – als kongeniales Musikantengespann, blühend im Ton, ungemein flexibel das Cello, subtil unterstützend, dann wieder herausfordernd und animierend das Klavier. Offenbachs auch im Instrumentalen oft hintergründig verschmitzte Schreibweise braucht solch durchaus theatralische Inszenierung, vor Überraschungen ist der Hörer nie sicher; und manche lyrische Zauberei erfreut als poetisches Intermezzo.

Wen-Sinn Yang gesellt sich als Duettpartner zu Raphaela Gromes, wenn es zwischendurch eines der Stücke für zwei Celli op. 54 zu hören gibt – und zuletzt auch beim Arrangement der beliebten Barkarole aus „Hoffmanns Erzählungen“, die, wie man weiß, gar nicht aus „Hoffmanns Erzählungen“ ist, sondern aus den „Rheinnixen“, einem Opernversuch, den Offenbach einst in Wien startete, als die Hofoper hoffnungslos an Wagners „Tristan“ gescheitert war. Die Wiener ließen sich nicht trösten und auch den genialen Offenbach grausam durchfallen. Doch daran wollen wir zum Jubiläum nicht erinnern. Bis die Staatsoper (im Herbst) den „Hoffmann“ wieder spielt, halten wir uns an diese CD-Novität.