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Testessen in der Wirtschaft am Markt in Meidling

(c) die Presse (Carolina Frank)

Heidi Neuländtner hat bei Christian Petz gelernt und gibt Aromadetektiven ordentlich zu tun.

„Für mich ist das Marktprojekt abgeschlossen", sagte der Wiener Bauträger Hans Jörg Ulreich noch im Vorjahr in einem „Kurier"-Interview über sein ­Engagement am Meidlinger Markt. Dazu gehörte das Purple Eat, in dem Asylwerber kochten. (Kurzer Exkurs: Das tun über den Sommer täglich auch vier Frauen aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Georgien, beim Verein Speisen ohne Grenzen beschäftigt, an der Adria Wien am Donaukanal – hingehen auf afghanische Limonade, somalische Sambosas, syrische Zuckerwatte mit Pistazien und so weiter.)

Dass Ulreich nun doch die Wirtschaft am Markt eröffnet hat, mit Heidi Neuländtner in der Küche, ist gut für den Bezirk und darüber hinaus. Neuländtner hat unter anderem bei Christian Petz und Harald Brunner gelernt und vor ihrem Engagement am Meidlinger Markt den Knappenhof an der Rax bekocht. Derzeit hat nur das betont schlicht gestaltete Lokal geöffnet, der benachbarte Pavillon soll im Laufe des Sommers als

(c) die Presse (Carolina Frank)

Vinothek aufsperren (die Weinkarte ist recht klassisch angelegt), auch eine Vorbereitungsküche kommt dort hinein. Derzeit macht Heidi Neuländtner alles in der nicht allzu großen Küche: den außerordentlich guten Pastateig etwa für vielschichtige Topfen-Spinat-Ravioli mit eingelegten Mispeln und geriebenem Schotten (geräuchertem Molkekäse). Oder die Kalbskopf-Börek-Röllchen, die auf dünn aufgeschnittenem, vollaromatischem Kalbskopf zu liegen kommen, mit Minzgurken und Kernölsauce – eine Wucht, selbst bei größter Hitze.

Die Oberösterreicherin ist einfach eine richtig gute Köchin, beherrscht die Feinheiten von Wienerischem wie Kalbsbutterschnitzel genauso wie die einer Himbeer-Rote-Rüben-Salsa zum karamellisierten Schafkäse. Und Aromadetektiven gibt sie ordentlich zu tun: Ist das eine Ahnung von Kreuzkümmel im Rahmkohlrabi aus roh geraffelter Knolle? Tönt da nicht ein Hauch von geriebener Orangenschale in der Raviolifüllung durch?

„Kleine Wirtschaft" heißt die durchgehend angebotene Karte, etwa mit Rieslingbeuschl, einem Curry-Couscous-Salat mit Salzzitronen, laut Service hochkompliziert geschmorter Melanzani und einem vielleicht eine Idee zu sesamöllastigem Dressing. Oder man nimmt gleich das „Brettl für zwei", auf das um 15,50 Euro Beef Tatar, Erdäpfelkaas, gebackener Kalbskopf, Melanzani, Schafkäse, Senfgurken und Kren geschlichtet werden. Die Portionsgrößen und Preise zeigen: Die Innenstadt ist ein gutes Stück weg.

Info

Wirtschaft am Markt, Meidlinger Markt 89–92, 1120 Wien, Tel.: +43/(0)660/594 41 25, Küche: Di–Fr: 11.30–21.30, Sa 11–14, ab 2. 7.: Sa 8.30–14 Uhr.

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