Duale Akademien: Ein neuer Weg zum Facharbeiter

Die Duale Akademie in Wien startet mit Floristik und Gartenbau.
Die Duale Akademie in Wien startet mit Floristik und Gartenbau.(c) Pixabay

In Wien wurde vergangene Woche eine Duale Akademie offiziell gestartet, die Maturanten eine rasche, angepasste Facharbeiterausbildung ermöglichen soll. Derartige Einrichtungen gibt es bereits in anderen Bundesländern.

Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema der Wirtschaft. Eine Maßnahme dagegen sind die Dualen Akademien. In diesen von der Wirtschaftskammer ins Leben gerufenen Institutionen sollen vor allem AHS-Maturanten, aber auch Studienabbrecher und Berufsumsteiger die Chance bekommen, in von der regionalen Wirtschaft besonders gefragten Berufen Fuß zu fassen. Neben der bereits länger existierenden Möglichkeit für Maturanten, eine Lehre – oft mit verkürzter Lehrzeit und erhöhter Lehrlingsentschädigung – zu absolvieren, bietet die Duale Akademie in einzelnen Berufszweigen eine Facharbeiterausbildung, die speziell auf das Vorwissen von Maturanten abgestimmt ist.

 

Oberösterreich als Vorreiter

Erfunden wurde das Konzept in Oberösterreich, wo im Vorjahr die erste Duale Akademie mit den beiden Ausbildungszweigen Mechatronik und Großhandel ins Leben gerufen wurde. Die Ausbildung dauert je nach Berufsbild 1,5 bis 2,5 Jahre. Hauptteil ist mit 70 Prozent der Praxisteil im Partnerbetrieb. Daneben gibt es ein angepasstes Curriculum in der Berufsschule, das in Oberösterreich auch durch eine Kooperation mit der FH OÖ erweitert wird. Neben fachlichen wird auch auf die Querschnittskompetenzen Wert gelegt, erklärt Eva Schupfer, Bereichsleiterin der Dualen Akademie OÖ. Konkret geht es um die drei Bereiche soziale und digitale Kompetenzen sowie Internationalität. Letztere wird durch teilweise englischsprachigen Unterricht sowie einen mindestens einwöchigen Auslandsaufenthalt unterstützt. Darüber hinaus führen die Teilnehmer der Dualen Akademie OÖ ein sogenanntes Zukunftsprojekt durch. Absolventen sollen damit auch für das mittlere Management oder für Betriebsnachfolgen gerüstet sein, sagt Schupfer. Neben den Karriereaussichten ist auch die Bezahlung während der Ausbildung ein Pluspunkt der Dualen Akademie. Die Teilnehmer werden nach Kollektivvertrag entlohnt – je nach Beruf zwischen rund 1500 und 1800 Euro brutto monatlich, für die Unternehmen gibt es AMS-Förderungen bis zu 900 Euro pro Teilnehmer.

Für den ersten Durchgang, der im April gestartet ist, konnten insgesamt 30 Schüler gewonnen werden – zum allergrößten Teil AHS-Maturanten. In diesem Jahr wird das Angebot in OÖ auf insgesamt neun Berufe ausgebaut, weitere sechs sollen folgen. „Für jeden der 15 neuen Branchenverbünde in der WKO Oberösterreich sollen eigene Berufsbilder entstehen", sagt Doris Hummer, Präsidentin der WKO Oberösterreich. Bezüglich der Bewerbungen für das kommende Jahr könne man laut WKOÖ noch keine Aussagen treffen. Keine Probleme hat man in Oberösterreich damit, Partnerunternehmen zu finden – derzeit sind es rund 230, bei denen sich Interessenten direkt für die Duale Akademie bewerben können. Abgeschlossen wird die Ausbildung, die auch einen Lehrabschluss im jeweiligen Beruf beinhaltet, mit einem eigenen Titel, dem „DA Professional".

 

Wien startet mit Floristen

Ähnliche Akademien gibt es mittlerweile auch in anderen Bundesländern, etwa in Salzburg (Mechatronik, Großhandel), in Vorarlberg (Mechatronik und Applikationsentwicklung – Coding), und nun offiziell auch in Wien. Hier startet man im Herbst mit den beiden Berufen Floristik und Garten- und Grünflächengestaltung mit 20 beziehungsweise 18 Plätzen. Die Ausbildung ist analog zu der in Oberösterreich strukturiert, inklusive Querschnittskompetenzen, Auslandsaufenthalte und Zukunftsprojekt.

 

Standardisiertes Angebot

Für Wiens Bildungsdirektor Heinrich Himmer ist das angepasste Curriculum mit eigenen Maturantenklassen an den Berufsschulen ein wesentlicher Vorteil gegenüber der bestehenden Lehre mit Matura. „Die Lehre mit Matura ist eher individuell, nun haben wir ein standardisiertes Angebot", ergänzt WKW-Präsident Walter Ruck. „Junge Leute wissen heute später, was sie wollen", nennt Herbert Eipeldauer, Wiener Innungsmeister der Floristen und Gartengestalter, eine Motivation für die Duale Akademie. Deren Absolventen sollen als „rechte Hand des Chefs" auch leitende Positionen einnehmen. Eipeldauer betont vor allem die Kommunikation mit Kunden als wichtige Kompetenz.

Bezüglich der Auswahl der ersten Berufe in Wien sagt Ruck, dass man sowohl die besten Köpfe als auch die besten Hände suche, und daher mit einem handwerklichen Berufsbild gestartet sei. In Zukunft sollen weitere Lehrberufe in die Duale Akademie aufgenommen werden, für Ruck „am liebsten alle". Wobei er einschränkend darauf hinweist, dass in Wien bereits ein großes Bildungsangebot in unmittelbarer Nähe verfügbar ist.

Duale Akademie

Duale Akademien funktionieren ähnlich wie eine Lehre, sind aber für Maturanten (insbesondere AHS) beziehungsweise Studienabbrecher gedacht und je nach Standort nur für bestimmte Berufe verfügbar. Hauptteil der Ausbildung ist die Praxis im Partnerbetrieb. Daneben wird ein auf Maturanten abgestimmtes Berufsschul-Curriculum, ergänzt um weitere Inhalte, absolviert. Die Dauer der Ausbildung beträgt je nach Beruf 1,5 bis 2,5 Jahre, die Bezahlung erfolgt laut Kollektivvertrag (zwischen 1500 und 1800 Euro brutto). Abgeschlossen wird mit „DA Professional", ein Lehrabschluss ist inkludiert. www.dualeakademie.at

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2019)