Standesbeamte: Nach dem Jawort fragen sei gelernt

Das Brautpaar muss bereit sein, Ja zu sagen. Damit auch der Standesbeamte die passenden Worte findet, gibt es eigene Rhetorikkurse.
Das Brautpaar muss bereit sein, Ja zu sagen. Damit auch der Standesbeamte die passenden Worte findet, gibt es eigene Rhetorikkurse.(c) Getty Images/Snapphot

Sie stellen Urkunden für Geburten aus und nehmen Namensänderungen vor. Spätestens wenn sie Ehen schließen, treten Standesbeamte hinter den Aktenbergen hervor.

Geehrtes Brautpaar, wenn sich zwei Menschen im Leben begegnen . . ." – so oder so ähnlich kann ein Standesbeamter eine Traurede beginnen. Fest steht stets das Konsensgespräch, bei dem es um alles geht: „Nun frage ich Sie, ist es Ihr freier und fester Entschluss, den Bund fürs Leben zu schließen?" In Österreich wird die Ehe geschlossen, indem die Verlobten vor dem Standesbeamten bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen. Trauungen sind ein Bruchteil der Arbeit von Standesbeamten, in deren Aufgabengebiet auch Sterbefälle oder Geburtsurkunden fallen. „Das Personenstandswesen ist eine komplexe Materie", sagt Stefan Fuchs, Standesbeamter in Salzburg. „Unser Hauptaufgabengebiet ist das staubige Papier."

Bevor es zur Trauung kommt, muss die Ehefähigkeit der Brautleute festgestellt werden. Gibt es Gründe, die gegen die Ehe sprechen könnten? Wie sieht es mit der Staatsbürgerschaftsevidenz aus? Hat ein Partner eine ausländische Staatsbürgerschaft, muss zusätzlich die fremde Rechtslage betrachtet werden, wie Fuchs erklärt. Bevor er Standesbeamter wurde, kümmerte er sich um An- und Abmeldungen. Auch Franz Wildauer, seit 1982 Standesbeamter in Oberösterreich und derzeit Finanzreferent beim Fachverband der Österreichischen Standesbeamtinnen und Standesbeamten, war zunächst im Gemeindeamt Buchhalter.

 

Voraussetzung Gemeindedienst

Denn um als Standesbeamter angelobt zu werden, muss ein Dienstverhältnis zu einer Gemeinde oder einem Gemeindeverband vorliegen. Erst dann kann eine Dienstausbildung, die je nach Bundesland unterschiedlich geregelt ist, absolviert werden. Standesbeamte werden im Personenstandsrecht, internationalen Privatrecht und Staatsbürgerschaftsgesetz und Eherecht geprüft und müssen die Grundlagen der öffentlichen Verwaltungsgesetze beherrschen. In Oberösterreich ist seit drei Jahren auch Fremdenrecht Teil der Prüfung. Der Fachverband veranstaltet Vorbereitungskurse in Verfassungs- und Verwaltungsrecht, Eltern- und Kindschafts-, Gebühren- und Abgabenrecht oder Gerichtsorganisation. Neue Entwicklungen werden auch in der jährlichen Bundesarbeitstagung thematisiert: Im Oktober stehen Weiterbildungsangebote zu Themen wie „Das dritte Geschlecht" oder „Ehe für alle" auf dem Programm. Schließlich, so Fuchs, handele es sich bei Gesetzen um „lebendige Materie".

Auch in Salzburg bemüht man sich um Weiterbildungsangebote, die durchaus Inhouse-Trainings genannt werden können, sagt Fuchs. Dabei kann es auch künstlerisch zugehen: „Wir hatten einmal einen Regisseur im Haus, der uns im richtigen Auftreten geschult hat." Der Fachverband organisiert regelmäßig Rhetorikseminare, die meist zu Beginn der Standesbeamten-Laufbahn absolviert werden. Sie befassen sich mit dem Aufbau einer Trauungsrede, Lampenfieber oder der Vorbereitung einer Trauung: Was passt zu welcher Zielgruppe, wie werden Reden geschrieben?

 

Zeremonie an Paar anpassen

„Man muss eine Zeremonie je nach Brautpaar anders aufbauen. Einer Patchworkfamilie, frisch Verliebten oder einem alten Brautpaar kann man nicht dasselbe sagen", weiß Wildauer. „Ein Standesbeamter muss anpassungsfähig sein. Die Zeiten, als man eine allgemeine Ansprache einfach heruntergelesen hat, sind vorbei. Das versuchen wir in Kursen zu verbessern."

Auch Schmähführen gehört dazu, Wildauer hat ein Wortspiel parat: „Heute sagt ihr zueinander: Keiner liebt dich so wie ich. Ich hoffe nicht, ihr sagt nach Jahren: Keiner liebt dich, wieso ich?" Fuchs und Wildauer sind froh, in ihrem Job nicht nur Beruf, sondern auch Berufung gefunden zu haben. Es gebe nichts Schöneres, als Menschen glücklich zu machen und ihre „positiven Vibes" mitzubekommen, schwärmt Fuchs. Es gibt aber auch traurige Momente, etwa Trauungen am Krankenbett. „Das ist für niemanden eine einfache Situation. Aber das Gefühl, den Betroffenen Gutes zu tun, macht es wett." Auch Wildauer musste eine Nottrauung durchführen, die Braut hatte Krebs im Endstadium: „Wer auch immer Standesbeamter sein möchte, er braucht vor allem eines, Einfühlungsvermögen."

Auf einen Blick

Standesbeamte führen nicht nur Trauungen durch, sie verzeichnen etwa auch Geburten und Sterbefälle. Um als Standesbeamter infrage zu kommen, muss man bei einer Gemeinde angestellt sein. Für Standesbeamte gibt es eine Dienstausbildung in einschlägigen Rechtsfragen, die mit einer Prüfung abgeschlossen wird. Die genauen Modalitäten sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Neben Vorbereitungskursen auf die Prüfung gibt es zusätzliche Kursangebote in Rhetorik und Auftreten. www.standesbeamte.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2019)