New York City: Oben hui, unten pfui

Blick aus einem Luxusapartment ganz oben auf den Central Park in New York.
Blick aus einem Luxusapartment ganz oben auf den Central Park in New York.(c) REUTERS (CARLO ALLEGRI)

Developer-Tricks: Warum Entwickler die Luxustürme rund um den Central Park mit unnötigen Technikräumen anfüllen, was Stadtplaner davon halten und wie die Verwaltung dagegen vorgeht.

Warum lassen Luxusentwickler auf einem der teuersten Pflaster der Welt unzählige Quadratmeter leer stehen oder füllen diese mit Haustechnik? Die Antwort lautet: Weil sie dann andere Quadratmeter noch teurer verkaufen können. Diese Taktik gehört zu den neuesten Tricks der Developer in New York City, das in schöner Regelmäßigkeit unter die Top fünf der teuersten Metropolen der Welt gereiht wird. Am allerteuersten sind, wie wohl in den meisten Großstädten, die Wohnungen ganz oben. Aber auch hier können Wolkenkratzer nicht in den Himmel gebaut werden, die maximale Anzahl der Stockwerke legen die jeweiligen lokalen „Zoning Regulations", die Bebauungsvorschriften, fest.

 

Das Schlupfloch

Allerdings gibt es dabei ein Schlupfloch, das derzeit noch weidlich ausgenutzt wird, wie die „New York Times" kürzlich aufzeigte. Denn Stockwerke, in denen „strukturelles und technisches Equipment" untergebracht ist, werden nicht mitgezählt. Auch dann nicht, wenn offensichtlich ist, dass die Anzahl dieser Stockwerke möglicherweise keinen strukturellen, architektonischen oder technischen Notwendigkeiten geschuldet ist. Beispielsweise, indem sie gleich ein Viertel der Gesamtanzahl ausmachen. Das ist beispielsweise beim Gebäude 432 Park Avenue am Central Park der Fall, das insgesamt 88 Stockwerke zählt; die oberen davon sind als Apartments und Penthäuser für die Ultrareichen konzipiert. Denn diese sind bereit, hohe Summen für Quadratmeter in lichter Höhe auszugeben. Die „New York Times" rechnet vor, wie deutlich die Preisunterschiede sind: So sei im Dezember vergangenen Jahres in eben diesem Gebäude ein Apartment ganz oben um 30,7 Millionen Dollar (rund 27 Millionen Euro) verkauft worden, was einem Quadratmeterpreis von knapp 72.000 Euro entspricht. Für ein Apartment auf halber Höhe wurden dagegen im selben Monat und Gebäude nur knapp 40.000 Euro für den Quadratmeter erzielt.

Und die Rekorde ganz oben halten an: Wie das „Wall Street Journal" im Januar verkündete, handelt es sich auch bei der teuersten je verkauften Immobilie des Landes um ein Penthouse hoch über dem Central Park: Stattliche 238 Millionen Dollar (rund 211 Millionen Euro) zahlte Milliardär Ken Griffin für sein Domizil im Gebäude 220 Central Park South mit Blick auf den Big Apple. Allerdings regt sich gegen die Türme inzwischen Widerstand. Denn die Super-Luxus-Residenzen dort oben, die denen weiter unten das Licht nehmen, stehen zu einem Großteil des Jahres leer – was in der von chronischer Wohnungsnot für Normalverdiener gebeutelten Stadt naturgemäß auf wenig Begeisterung stößt. Außerdem seien deren Besitzer oft „chinesische Milliardäre, europäische Tycoons und Hedgefonds-Manager von außerhalb", wie es die „New York Times" formuliert. Als Nicht-New-Yorker zahlen sie keine lokalen Steuern. Stadtplaner spüren daher mittlerweile gezielt derartige Projekte auf und legen gegen offensichtlich nur der Aufstockung dienende Leeretagen Einsprüche ein.

 

Strafsteuer bei Verkauf

Aber auch die Stadt selbst ergreift inzwischen Maßnahmen, um gegen den luftigen Luxus für die Superreichen vorzugehen – oder zumindest dabei mitzuschneiden. So scheiterte zwar ein Entwurf, mit dem eine sogenannte Pied-à-terre-Steuer auf Zweitwohnsitze über fünf Millionen Dollar erhoben werden sollte, am Widerstand der Immobilienlobby, allerdings einigte man sich auf eine Einmalzahlung beim Verkauf von Multi-Millionen-Dollar-Liegenschaften.

Und auch, was die zusätzlichen Stockwerke am Fuße der Türme angeht, scheint das Schlupfloch bald nicht mehr gar so leicht nutzbar zu sein: Ein weiterer Vorschlag sieht vor, rund um den Central Park die „Technikräume" zwar nicht zu verbieten, aber entsprechende Projekte mit Strafzahlungen zu belegen und übergroße Stockwerke mit mehr als neun Metern Raumhöhe auf die Gesamthöhe des Gebäudes anzurechnen. „Damit", so Bürgermeister Bill de Blasio, „würden Luxusentwickler zumindest davon abgehalten, das System auszutricksen." (sma)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2019)