Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Onlinehandel: Die Revolution ist abgesagt

Logistiklager HAM2 von Amazon in Winsen Winsen *** Logistics warehouse HAM2 from Amazon in Winse
imago images / Pressedienst Nord
  • Drucken

Alles wird online gekauft, nichts mehr im Geschäft? Diese Prognose war falsch.

Nein, Online schluckte Offline nicht. Im Handel vermengten sich beide, mit neuen Optionen auch für kleine Händler. Der Retail-Report des Zukunftsinstituts zählt sechs Trends.

Bargeldlos bezahlen. Der Megatrend: In China nutzen 87 Prozent nur mehr Alipay oder WeChat Pay, in Skandinavien soll das Bargeld verschwinden. Deutschland experimentiert mit Biometrie: Einkaufen per Fingerabdruck, Iris-Scan oder Gesichtserkennung. Wichtig: Die Technik muss spuren, das Personal auch. Schulung nötig!

Jetzt und sofort. Kunden sind ungeduldig, wollen weder weit gehen noch lang warten. Als „Instant Shopping“ führt das zur Renaissance der fliegenden Händler. Verkäufer werden überall dorthin geschickt, wo viele Menschen sind: in Bäder, Tankstellen, Bahnhöfe. Mit Fantasie geht noch mehr: Französische Jachtbesitzer müssen zum Einkauf nicht mehr an Land gehen. Das Carrefour-Supermarktschiff kommt direkt zu ihnen.

Globale Rabattaktionen. Black Friday, Cyber Monday, Singles' Day: Ob die Ware dann wirklich billiger ist, sei dahingestellt. Allein die Cyber Week bescherte dem Versandhändler Otto 250 Millionen Euro zusätzlichen (!) Umsatz. Auch kleine Händler sollten sich an solche Aktionen anhängen.

Spielen, genießen, kaufen. Am POS erwartet der Konsument nicht nur Ware, sondern Erlebnisse, die Shopping, Gastro und Event verbinden. Beim Hanfproduktehändler Recess etwa kann er im Zengarten meditieren. Oder Tee trinken.

Wohnen über dem Supermarkt. In Wien nichts Neues: Die Gasometer verbinden Shoppen und Wohnen, The Mall Shoppen und Arbeiten. Mischkonzepte boomen, weil passende (und leistbare) Retailflächen schwer zu finden sind. Kindergärten, Fitnessstudios und Gruppenpraxen gibt's dort natürlich auch.

Kooperation statt Konkurrenz. Sogar Amazon kooperiert mit lokalen Bäckern, um frische Produkte schneller auszuliefern. Wer ein Kooperationsangebot bekommt (besonders von innovativen Start-ups), möge es ernst nehmen. Es kann das Überleben sichern. (al)


[PJP4J]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2019)