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López Quintana: Der Weichensteller

López Quintana
López QuintanaDie Presse (Clemens Fabry)
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In der Wiener Nuntiatur weht ein neuer Wind.

Seit einem Monat weht ein frischer Wind durch die Theresianumgasse im vierten Wiener Bezirk. Ein gebürtiger Spanier residiert hier in Haus Nummer 31, einem stattlichen Palais, das 1913 fertiggestellt wurde. Papst Franziskus hat Erzbischof Pedro López Quintana von den baltischen Staaten nach Österreich versetzt.

Nach zehn Jahren wird er hier, wenn alles nach Plan läuft, seine nicht unbeachtliche Kirchenkarriere beenden, mit seiner Pensionierung mit Vollendung des 75. Lebensjahres. Und die Zukunft von Österreichs katholischer Kirche maßgeblich mitgestalten.

Denn der Nuntius nimmt in der Ortskirche eine bedeutende Rolle bei der Auswahl von Männern ein, die zum Bischof ernannt werden. Er ist gleichsam der Headhunter des Papstes – sofern nicht an ihm vorbei über vatikanische Hintertreppen agiert wird, wie das in der Vergangenheit schon vorgekommen sein soll.

In Österreich gestaltet sich die Situation ein wenig spezieller als in anderen Ländern. Immerhin steht der Bischofskonferenz Kardinal Christoph Schönborn vor, in der weiten katholischen Welt ein großer Name. Auch Papst Franziskus schätzt den Wiener Erzbischof. Es darf davon ausgegangen werden, dass Schönborn auch Einfluss bei Bischofsernennungen für Österreich ausübt.

Seit über einem Jahr vakant ist der Kärntner Sitz. Nuntius López, der in der abgelaufenen Woche erstmals in Mariazell und dort erstmals Gast der Bischofskonferenz war, sondiert Kandidaten. Er tut dies unprätentiös, mit der ihm eigenen Energie und Offenheit. Für eine hochwürdigste Exzellenz, einen Gesandten des Santo Padre gar, tritt López fast schon quirlig auf. Der Botschafter bringt auch eine neue Botschaft mit: Er wolle nicht Kontrollor der Bischöfe sein, meinte er kurz nach dem Eintreffen in Wien.

(d. n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2019)