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Iran warnt vor Konsequenzen eines Angriffes

Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran sei der Gegenschlag unmittelbar bevorgestanden, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Wegen der erwarteten 150 Toten auf der iranischen Seite habe er den Angriff nur zehn Minuten vorher dann doch noch gestoppt.
Nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran sei der Gegenschlag unmittelbar bevorgestanden, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Wegen der erwarteten 150 Toten auf der iranischen Seite habe er den Angriff nur zehn Minuten vorher dann doch noch gestoppt.Reuters
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Die seit Monaten andauernden Spannungen zwischen dem Iran und den USA hatten sich zuletzt gefährlich zugespitzt. Trump kündigte am Samstag neue Iran-Sanktionen an.

Der Iran hat den USA mit Konsequenzen gedroht, falls sie iranischen Luftraum verletzen sollten. Teheran sei es egal, was US-Präsident Donald Trump sage oder welche Entscheidungen er treffe, sagte Außenamtssprecher Abbas Moussawi am Samstag der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim: "Wichtig ist nur, dass wir keine Verletzungen unserer Grenzen dulden und auf jede Gefahr konsequent reagieren werden."

Die seit Monaten andauernden Spannungen zwischen dem Iran und den USA hatten sich am Donnerstag und Freitag gefährlich zugespitzt. Der Iran schoss zuerst eine unbemannte amerikanische Aufklärungsdrohne ab, die nach Angaben aus Teheran den Luftraum des Landes verletzt und auf mehrere Warnungen nicht reagiert hatte. Nach Angaben der USA flog die Drohne in internationalem Luftraum.

Trump begründete den gestoppten Angriff auf den Iran unter anderem damit, dass die vom US-Militär erwarteten 150 Toten im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran "unverhältnismäßig" gewesen wären. Auch der Iran gab zu verstehen, dass er kein Interesse an Todesopfern auf US-Seite habe. Demnach wurde ein bemanntes US-Aufklärungsflugzeug vom Typ Poseidon, das gemeinsam mit der Drohne in den iranischen Luftraum eingedrungen sei, nicht abgeschossen.

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Trump will reden - und kündigt neue Sanktionen an 

US-Präsident Donald Trump warnte seinerseits im Konflikt mit dem Iran vor den fatalen Folgen eines Krieges. "Ich will keinen Krieg", bekräftigte er im Interview mit dem TV-Sender NBC News. "Und wenn es dazu kommt, wird es eine Vernichtung geben, wie man sie noch nie gesehen hat. Aber ich will das nicht tun", betonte er.

In dem Interview zeigte sich Trump dem Sender zufolge ohne Vorbedingungen offen für Unterredungen mit Irans geistlichem und staatlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Khamenei oder Präsident Hassan Rouhani.

Am Samstag kündigte er allerdings zusätzliche Sanktionen gegen den Iran an. So solle das Land daran gehindert werden, an Atomwaffen zu gelangen. Und er unterstrich vor Journalisten in Washington, dass
auch militärische Schritte nach wie vor als Option auf dem Tisch lägen.

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Ayatollah Khamenei
Ayatollah KhameneiReuters

Sanktionen gegen eine neue Eskalationsstufe

Hintergrund der Spannungen ist das von den USA im Mai 2018 aufgekündigte Atomabkommen. US-Präsident Trump will die Führung in Teheran jetzt mit den bisher härtesten Sanktionen gegen den Öl- und Bankensektor zwingen, einer Neuverhandlung des Abkommens und schärferen Auflagen zuzustimmen. Teheran lehnt das ab. Solange Trump nicht zum Atomdeal zurückkehre und die Sanktionen nicht aufhebe "wird der Iran nicht mit den USA verhandeln, auch wenn es zu weiteren Spannungen führen sollte", sagte Präsident Hassan Rouhani.

Außenamtssprecher Moussawi stellte den im Atomvertrag verbliebenen Unterzeichnerstaaten - das sind die UNO-Vetomächte China, Frankreich, Großbritannien, Russland sowie Deutschland - erneut ein Ultimatum bis zum 7. Juli. Sollten sie den Atomdeal bis dahin nicht vertragsgerecht umsetzen, werde der Iran seinen Teilausstieg fortsetzen. "Was dann passiert, ist ja allgemein bekannt", so der Sprecher.

Der Iran will sein Uran dann unbegrenzt anreichern und sich nicht mehr an die im Atomabkommen vorgeschriebene Obergrenze von 3,67 Prozent halten. Experten sehen darin das Ende des Atomabkommens und eine neue Eskalationsstufe.

(APA/dpa)