Amy Bloom: Geheimnisse der First Lady

(c) Beigestellt

In „Meine Zeit mit Eleanor“ imaginiert Amy Bloom eine lesbische Beziehung zwischen Eleanor Roosevelt und einer Reporterin. Sie lässt der Fantasie freien Lauf.

Wie geht es hinter den Kulissen der Macht zu, hinter den Türen des Weißen Hauses? Das Privatleben der US-Präsidenten ist seit je ein Faszinosum, nicht erst seit den Kennedys, den Reagans oder den Clintons. Schon Eleanor Roosevelt war ein Role Model für Hillary Clinton als First Lady: Sozial engagiert und politisch aktiv bildete sie ein Gespann mit ihrem Mann FDR, von den einen verehrt, von den anderen verschmäht – und von Gerüchten umschwirrt.

Die Nichte von Präsident Theodore Roosevelt hatte ihren entfernten Cousin geheiratet, sechs Kinder zur Welt gebracht – und lebte in einem gewissen Rahmen ihr eigenes Leben neben ihrem an den Rollstuhl gefesselten Mann, der wiederum seine Sekretärin auch privat in Beschlag nahm. Dass Eleanor Frauen liebte, ist nicht historisch verbürgt – und doch beflügeln derlei Spekulationen die Fantasie der Amerikaner und der Schriftstellerin Amy Bloom, die in ihrem Roman „Meine Zeit mit Eleanor“ eine lesbische Beziehung im Machtzentrum der USA in den 1930-Jahren imaginiert.

Eleanor hinterließ 3000 Briefe an ihre Vertraute und Mitarbeiterin Lorena Hickok, eine Exreporterin, die im Weißen Haus lebte und arbeitete. Beinahe täglich schrieb sie ihr – es sind seitenlange Zeugnisse von Schwärmerei und Zuneigung. In Eleanors New Yorker Wohnung lässt „Hick“ ihr Vorleben und ihr Leben mit der First Lady skizzenhaft und bisweilen anrührend Revue passieren. Eine fantasievolle Romanze. VIER

Amy Bloom: „Meine Zeit mit Eleanor“, übersetzt von Kathrin Razum, Atlantik, 265 Seiten, 20,60 Euro