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Schlachthöfe: Weniger, dafür größer

Clemens Fabry

Die Konzentration bei Schlachthöfen steigt. Hofschlachtungen bleiben eine Nische.

Projekte, wie jener mobile Schlachthof, der von steirischen Biobauern betrieben wird, kann man durchaus als Gegentrend verstehen. Denn während es früher in jedem zweiten Ort einen Fleischhauer gab, der auch selbst schlachtete, sind es heute hingegen ein paar mittlere bis große Schlachthöfe und sehr wenig kleine. Siegfried Rath, Leiter für den Bereich Fleisch und Fleischwaren bei der AMA, schätzt die Zahl der mittleren bis großen Schlachthöfe (für Schweine und Rinder) auf 60 bis 70 Betriebe.

„Vor 30, 40 Jahren gab es viel mehr kleine Schlachthöfe, jetzt ist alles sehr konzentriert“, sagt Rath. Schon vor dem EU-Beitritt sei die Zahl der Schlachthöfe zurückgegangen, der EU-Beitritt 1995 hat das noch bestärkt.

Bei den Schweinen gibt es drei, vier sehr große Schlachthöfe, erklärt Rath. Der größte ist wohl der Betrieb Steirerfleisch, der ca. 20.000 Schweine pro Woche schlachtet. Gefolgt vom steirischen Fleischhof Raabtal und von der Fleischerei Großfurtner in Oberösterreich, die beide jeweils rund 9000 Schweine pro Woche schlachten. In Niederösterreich kommt der Betrieb Dachsberger auf rund 7000 Schweine pro Woche.

Gegentrend mobiler Schlachthof. Bei den Rindern hingegen ist der größte Schlachthof die Alpenrind GmbH in Salzburg. „Die schlachten rund 2000 Rinder pro Woche“, sagt Rath. Gefolgt von Handlbauer in Linz (mit rund 1800 Rindern pro Woche), der Firma Grandits in Niederösterreich und den Marcher Fleischwerken in Graz, mit jeweils rund 1300 Rindern pro Woche. „Das sind die größten, dann gibt es viele mittlere und wenig kleine“, sagt Rath, der betont, dass Österreich im europäischen Vergleich noch recht viele Schlachthöfe hat. Er sieht Initiativen mit mobilen Schlachthöfen durchaus als Gegentrend zur steigenden Konzentration großer Schlachthöfe. Viele sind es aber nicht, er schätzt solche Initiativen und Projekte auf „etwa eine Hand voll.“

Bei Hühnern dürfte die Lage übrigens noch konzentrierter sein. Da gibt es wenige sehr große Schlachthöfe. Geschlachtet wurden in Österreich im Vorjahr 640.000 Rinder. „Die Zahl ist seit fünf, sechs Jahren leicht steigend.“ Bei den Schweinen wurden im Vorjahr 5,1 Millionen Tiere geschlachtet. Diese Zahl ist leicht sinkend, was aber durchaus im normalen Schwankungsbereich liege. Bei Kälbern hingegen ortet Rath einen Rückgang. „Das ist nicht mehr so nachgefragt, 2012 waren es noch 70.000 Schlachtungen, 2018 nur mehr 55.000.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2019)

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