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Uhren

Die ersten Digitaluhren kamen Anfang der Siebziger auf den Markt
Die ersten Digitaluhren kamen Anfang der Siebziger auf den Markt.(c) Pulsar

Smartwatches können immer mehr. Mittlerweile kann man damit auch am Bankomatterminal bezahlen, während sie den Herzschlag misst. Der Urvater der Smartwatch ist aber Casio. Eine sentimentale Zeitreise.

Mein Großvater und sein Bruder waren zu ihren Lebzeiten das, was man heute „Early Adopters“ nennt. Vor allem die Technik hatte es ihnen angetan. Das neueste Zeug mussten sie – zum Leidwesen meiner Großmutter bzw. -tante – als erste haben. So erinnere ich mich gut, als mein Großonkel Mitte der 1970er-Jahre mit einer der ersten Digitaluhren am Arm aufgetaucht ist. Ich glaube, Pulsar hieß sie. Die Uhr war ein dickes Trum aus Edelstahl und hatte ein schwarzes Display, das nichts anzeigte. Außer man drückte auf den einzigen vorhanden Knopf. Dann leuchteten rote LEDs die Uhrzeit. Der Onkel jammerte aber später, dass die Batterien der Uhr nicht lange hielten.

Zehn Jahre später sah die Sache schon anders aus. Casio überschwemmte den Markt regelrecht mit Digitaluhren, die immer mehr konnten. In den Achtzigern kamen sozusagen die ersten „Smartwatches“ heraus.

Die einfachsten Modelle, hatten neben der Uhrzeit noch eine Stoppuhr und einen Wecker eingebaut. Angezeigt wurde alles auch kleinen LCD-Displays. Ohne Hintergrundbeleuchtung versteht sich. Die besseren Modellen hatten unter dem Display noch winzige Zusatztasten für einen Taschenrechner. Sehr praktisch für Mathematikschularbeiten, bei denen ein Taschenrechner noch verboten war. Die Krönung in den Neunzigern war die Casio CMD 40, mit der ließen sich allerhand Infrarotgeräte wie Fernseher oder Videorekorder steuern.

Casios Digitaluhren erleben gerade ein Revival. Um 30 bis 40 Euro bekommt man sie wieder. Mein älterer Sohn hat sich eine gewünscht und in der Schule mit der Retrouhr Eindruck geschunden. Seit ein paar Wochen verstaubt sie allerdings am Nachtkasterl.

Auf die Frage, warum er die Uhr nicht trage, kam folgende, völlig logische Antwort: „Wozu? Ich hab eh mein Handy, da kann ich auch einen Wecker einstellen und die Uhrzeit ist immer genau. Außerdem schwitzt man unter dem Uhrband.“

manuel.reinartz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2019)