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Die "Klimakrise" im Lichte historischer Fakten

(c) Peter Kufner
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Zur Einordnung aktueller Klimadebatten ein kleiner Rückblick auf frühere Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen.

Der Klimawandel und seine von manchen Experten prognostizierten katastrophalen Auswirkungen beherrschen derzeit alle Massenmedien. Grund genug, einen kleinen Rückblick auf frühere Klimaveränderungen und ihre Auswirkungen zu machen.

 

Optimum der Römerzeit

In der Zeit von etwa 100 v. Chr. bis ins 5. Jh. n. Chr. gab es eine warme Epoche. Es war die Blütezeit der römischen Kultur und Wissenschaft. Ohne diese kleine Warmzeit wäre die Ausdehnung des Röm. Reiches bis ins mittlere Schottland wohl kaum möglich gewesen. Es waren für die Bevölkerung glückliche Zeiten, Kriege gab es lediglich an den Grenzen, die „Pax Romana“ im Inneren und die gute Versorgungslage ließen die Bevölkerungszahl wachsen und erstmals eine Infrastruktur entstehen, die noch heute prägend ist.

Mit der Überwindung der antiken Religionen durch das Christentum erlebte auch die ethisch-sittliche Weiterentwicklung einen Quantensprung. Tier- und Menschenopfer verschwanden ebenso wie die grausamen Gladiatorenspiele.

 

Völkerwanderungszeit

Im 5. Jh. wurde es kälter. Die Zeit von 535 bis 660 bezeichnet man sogar als „kleine Eiszeit der Spätantike“. Das Klima wurde feuchter, die Winter kälter, Stürme und Überschwemmungen führten zu Landverlusten an den Atlantikküsten. Kulturland ging verloren, Missernten führten zu Hungersnöten und damit verbundener Massenmigration, der „Völkerwanderung“, der schließlich das Weströmische Reich erlag. Die Bevölkerungszahl sank. Die Alpengletscher stießen weit vor, vernichteten Kulturland und unterbrachen Pässe. Bedingt durch die verminderten Abwehrkräfte der Menschen und die durch das feuchtere und kühlere Wetter begünstigte Tröpfcheninfektion griffen Seuchen wie Lepra, Pest und Pocken um sich. Der Höhepunkt war wohl der Ausbruch der „Justinianischen Pest“ um 540, die dann bis etwa 770 immer wieder aufflackerte

 

Mittelalterliche Warmzeit

Im 10. Jh. änderte sich das Klima wieder und die kleine Warmzeit hielt bis ins 14. Jh. an. Besonders die Zeit von 950 bis 1250 war sehr warm. Die Menschen begannen verlorenes Kulturland zurückzugewinnen, die Straßen der Römerzeit wieder herzustellen und viele röm. Ruinenstädte wieder aufzubauen. Das „Goldene Hochmittelalter“ war eine Blütezeit, Handel, Gewerbe und Wissenschaft blühten auf. Die Landwirtschaft war so ertragreich, dass sich die Bevölkerung Europas von 1100 bis 1400 fast verdreifachen konnte. Bedingt durch das warme Klima gab es bis zur Ostsee und sogar in England Weinbau.

Der Baustil der himmelsstrebenden Gotik war eine der Ausprägungen dieser Blütezeit. In seiner Spätphase wurden auch die ersten Universitäten in Mitteleuropa gegründet.

Im Norden Europas gelang es den Wikingern, Island und später sogar Grönland zu erreichen und dauerhaft zu besiedeln. Gleichzeitig erlebte das Oströmische Reich von Konstantinopel seine letzte Blütezeit, ebenso das arabisch-islamische Abbasiden-Reich von Bagdad in Mesopotamien.

 

Kleine Eiszeit

Ab etwa 1300 setzte eine Periode relativ kühlen Klimas ein, die bis ins 19. Jht. andauerte. Es gab nun vermehrt sehr kalte und lange Winter und feuchtkalte Sommer. Die Agrarproduktion ging zurück. Teuerungen und Hungersnöte waren die Folge. Die sozialen Spannungen wuchsen. Um 1350 kehrte, begünstigt durch Mangelernährung und feuchtkaltes Klima, auch die Pest nach fast 600 Jahren nach Europa zurück. Der „Schwarze Tod“ raffte innerhalb weniger Jahre ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahin. Während der nächsten 400 Jahre gab es immer wieder Pestepidemien. Schwere Stürme und Sturmfluten verwüsteten die Länder, die Gletscher stießen wieder weit in die Täler vor und so mache Sage von der „Übergossenen Alm“ ist darauf zurückzuführen. Abwanderung und Not waren die Folgen. Die „Spätmittelalterliche Agrarkrise“ ließ viele Landstriche veröden, die Wikinger in Grönland starben aus.

Besonders die Zeiten 1570 bis 1630 und 1675 bis 1715 waren extrem kalt. Es ist kein Zufall, dass das auch schlimme Kriegszeiten waren (z. B. 30-jähriger Krieg ab 1618) und die beiden verheerendsten Pestwellen der Neuzeit in Österreich 1679/80 und 1713 in diese extremen Kältezeiten fielen.

Eine der Folgen der Kaltzeit war der Zerfall der bis dahin einheitlichen Westkirche, was weitere Konflikte und Kriege auslöste. Und auch der Hexenwahn der frühen Neuzeit, oft wurde „Wetterzauber“ unterstellt, war eine direkte Folge des unbeständigen und rauen Klimas.

Eine weitere Folge der Kleinen Eiszeit mit ihren immer wiederkehrenden Hungersnöten war die Massenemigration nach Amerika, Australien usw. mit den katastrophalen Folgen für die Vorbevölkerung dort.

Natürlich waren immer mehrere Faktoren für alle diese Entwicklungen verantwortlich, aber ohne die Kleine Eiszeit hätte es alle diese Krisen wohl nicht gegeben.

 

Mehr Gelassenheit

Deshalb halte ich die Analyse des deutschen Historikers Wolfgang Behringer („Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung“, München 2007), der für mehr Gelassenheit im Umgang mit der gegenwärtigen „Klimakrise“ eintritt, für sehr vernünftig.

Behringer stellte die These auf, dass Abkühlung immer „in schwere Erschütterungen der Gesellschaft“ mündete, während eine Erwärmung manchmal kulturelle Blüte bewirkte. In der gegenwärtigen Erwärmung verbergen sich daher laut Behringer nicht nur Gefahren, sondern auch Möglichkeiten. Was wird weiter geschehen? Waldgrenze und Grenze des Ackerbaus werden weiter nach Norden und höher in Bergregionen vorgeschoben werden können, Naturkatastrophen seltener werden.

Und zur Horrorprophezeiung vom steigenden Meeresspiegel, der viele Inseln und Küstengebiete verschlingen wird. Das ist in den beiden Warmzeiten nicht passiert, der Meeresspiegel hat sich insgesamt lediglich um ± 8 cm verändert. Warum sollten London, Hamburg oder Rio also untergehen? Bedroht werden auch künftig nur Extremlagen sein, die nie hätten besiedelt werden sollen.

Man möge mich bitte nicht falsch verstehen. Es ist zweifellos sinnvoll, fossile Energie möglichst durch erneuerbare zu ersetzen, die Ballungsräume zu begrünen, die Abholzung der Wälder zu beenden, den Flugverkehr und den Interkontinentalhandel einzuschränken usw.

Die wichtigste Aufgabe aber ist es, das Bevölkerungswachstum einzudämmen, denn das ist das zentrale Problem unserer Zeit. Und man sollte sich vor Scheinlösungen wie der Atomkraft hüten, wie sie von Greta Thunberg ja bereits empfohlen worden ist. Das wäre die katastrophalste aller „Lösungen“.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2019)