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UN-Sonderberichterstatter warnt vor "Klima-Apartheid"

APA/ZB/Jan Woitas
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Die Erderwärmung bedrohe Menschenrechte und Demokratie weltweit, warnt Philip Alston. Bis 2050 könnten 140 Millionen Menschen durch den Klimawandel obdachlos werden.

Der Welt drohe aufgrund der Erderwärmung eine „Klima-Apartheid“, warnt der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und extreme Armut, Philip Alston. „Wir riskieren ein Szenario der 'Klima-Apartheid', in dem die Wohlhabenden dafür bezahlen, Überhitzung, Hunger und Konflikten zu entkommen und der Rest der Welt leidend zurückbleibt“, schreibt er in einem neuen Bericht, der dem UN-Menschenrechtsrat vorgelegt werden soll.

Der Klimawandel drohe das zunichte zu machen, was in den vergangenen 50 Jahren an Armutsreduzierung erreicht worden sei, warnte Alston. Er verweist auf Studien, wonach durch den Klimawandel bis 2050 in den Entwicklungsländern 140 Millionen Menschen obdachlos werden könnten. „Perverserweise sind Menschen in Armut nur für einen Bruchteil der weltweiten Emissionen verantwortlich, aber sie werden die Hauptlast des Klimawandels tragen und die wenigsten Fähigkeiten haben, sich davor zu schützen“, meint er.

Doch nicht nur das: Die Folgen der Erderwärmung bedrohten die Menschenrechte - die Rechte auf Leben, Wasser, Ernährung und Unterkunft seien betroffen. Viel mehr aber noch sei die Demokratie in Gefahr. Denn Regierungen kämpften, mit den Konsequenzen des Klimawandels umzugehen und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, große gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzungen zu akzeptieren.

EU uneins über Klimaneutralität

Selbst, wenn die Weltgemeinschaft ihr „unrealistisches Bestcase-Szenario“, die Erderwärmung bis 2100 auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, erreichen würde, müsste die arme Bevölkerung in vielen Regionen zwischen Hunger und Migration wählen.

In der EU wird derzeit ein Konzept zu Klimaneutralität ausgearbeitet. Doch die Pläne, die EU bis 2050 emissionsneutral zu machen, scheiterten zuletzt am Widerstand Polen, Ungarns, Tschechiens und Estlands. Die Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, Maria Patek, erwartet, dass es beim EU-Energierat am Dienstag und beim Umweltrat am Mittwoch weitere Diskussionen über die Klimapolitik der EU geben wird.

(red.)