Rom denkt über „Aufpasser“ für Kärnten nach

KULISSENGESPRÄCHEDie Suche nach einem Bischof dauert schon ein Jahr. Interimsleiter Guggenberger könnte abgelöst werden.

Nicht alle werden es wissen, aber dieser Donnerstag ist ein nicht unwichtiger Tag. Zumindest in der katholischen Kirche. Es jährt sich die Bischofsweihe eines gewissen Jorge Mario Bergoglio, besser bekannt als Papst Franziskus. Und Kärnten gedenkt der Heiligen Hemma als Landesmutter.

Beim Festgottesdienst im Gurker Dom fehlt am Donnerstag der wichtigste Mann. Ja, natürlich, es gibt auch ein Jahr nach der Versetzung von Alois Schwarz nach St. Pölten (eine „Beförderung“ © Nuntius Pedro López im „Presse“-Interview) keinen Bischof. Gemeint ist die Absenz von Engelbert Guggenberger, der vom Domkapitel am 2. Juli 2018 gewählte Diözesanadministrator. Er nimmt an einem für Kärntens Kirche so wichtigen Tag einen anderen Termin in Wien wahr. Er kommt der Einladung des neuen Nuntius zum Empfang für Diplomaten, Politiker, Kirchenvertreter anlässlich der Bischofsweihe des Papstes nach.
Dabei war der Kärntner Kleriker schon beim Nuntius, kurz nach dessen Ankunft in Wien. Flankiert wurde er von Ordinariatskanzler Jakob Ibounig und Dompfarrer Peter Allmaier. Alle drei wären in normalen Zeiten probate Bischofskandidaten gewesen. Nur: Normale Zeiten gibt es in Kärntens Kirche nicht. Im Gegenteil: Gurk-Klagenfurt gilt als Österreichs Problemdiözese Nummer eins.

Laut der „Kleinen Zeitung“ gab es heuer in den ersten fünf Monaten mit 3370 Kirchenaustritten fast so viele wie im gesamten Vorjahr (3526). Dabei war Kärnten schon 2018 negativer Ausreißer mit einer Steigerung um 16,8 Prozent – doppelt so hoch wie im Österreich-Schnitt. Nach dem Abgang von Schwarz waren alle Dämme geborsten. Ihm wurde übergroßer Einfluss einer Mitarbeiterin vorgeworfen. Das Domkapitel hat entgegen einer Weisung Roms erklärt, der Bischof sei im Zusammenhang mit dem Zölibat erpressbar gewesen.

Angesichts der Situation und nach der Apostolischen Visitation überlegt der Vatikan nun, einen Apostolischen Administrator zu entsenden. Guggenbergers Amtszeit würde ablaufen. Die Zeit drängt insoweit, als der Diözesanadministrator nach Ablauf des ersten Jahres – das ist am Dienstag – neue Rechte erhält und auch Pfarrer ernennen kann. Ausgerechnet am Dienstag will Guggenberger auch den bisher geheimen Rechnungsabschluss des Bistums veröffentlichen.

Vielleicht schreckt der Vatikan aber vor einer Entmachtung Guggenbergers noch zurück. Um den Unmut in Kärnten nicht weiter zu befeuern.