Als ein Rennauto beim Uhrturm aufheulte

Ausfahrt zum Grazer Uhrturm, den Schloßberg empor: Max Verstappen bestritt zu PR-Zwecken diese einzigartige Bergwertung.
Ausfahrt zum Grazer Uhrturm, den Schloßberg empor: Max Verstappen bestritt zu PR-Zwecken diese einzigartige Bergwertung.(c) APA/ERWIN SCHERIAU

Max Verstappen pilotierte den RB7-Rennwagen als Einstimmung auf den Großen Preis von Österreich auf den Grazer Schloßberg. Über Spielbergs F1-Zukunft wird laut Helmut Marko aber „noch gesprochen“, der Vertrag läuft 2020 aus.

Graz. Holländer haben es ja nicht so mit Bergen, ätzte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko und rieb sich voll Vorfreude die Hände. Der Grazer Ehrenbürger, 76, war gespannt, wie sich sein Schützling Max Verstappen beim Showrun auf den Schloßberg denn anstellen würde. Der Niederländer hatte die holprige, steile und kurvige Strecke sogar zuvor inspiziert. An manchen Stellen wurde kurzerhand der Asphalt noch geglättet – denn ein Rennauto, das ausrutscht oder gar aufsitzt, hätte den PR-Effekt wohl eher verfehlt.

Sicherheitshalber wurde der 900 PS starke RB7 mit V8-Motor höhergesetzt. Und die Bergfahrt sollte wenig später tatsächlich zu dem erhofften Spektakel werden, um den Großen Preis von Österreich (Sonntag, 15.10 Uhr, live ORF eins) zu bewerben. Verstappen, 21, gab „bisschen Gas“, der Motor heulte oft auf, das Heck brach auf dem rumpeligen Terrain bei 30 km/h und in fast jeder Kurve aus. Er meisterte den Drift, sehr zur Freude von Marko. Immerhin, der Schloßberg liegt 474 Meter über Seehöhe. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen, eventuell im Winter – dann mit Schneeketten.

Traum vom nächsten Heimsieg

Es war ein „zivilisierter Auftritt“, Gleiches wünscht sich sein Rennstall auch in Spielberg. Dort sorgte Verstappen, dessen Fahrstil gemeinhin auf Rennstrecken als ungestüm gilt, 2018 für die Premiere. Zur Freude Tausender Oranje-Fans und Geldgeber Didi Mateschitz feierte er den ersten RB-Heimsieg.

Ob sich dieses Kunststück wiederholen lässt, ist fraglich. Mercedes gewann alle acht Saisonrennen, sei zu dominant. Der Reifen ist laut Marko daran mitschuldig, das zu strenge Reglement ohnehin (s. Artikel rechts). Für die Fans, die in Scharen auf den Karmeliterplatz und ausgewählt zur Kasemattenbühne gedrängt waren, war diese Aussicht zweitrangig. Sie genossen die Show, baten um Autogramme und Selfies. Auch die Toro-Rosso-Piloten Daniil Kwjat und Alexander Albon erfüllten alle Wünsche.

Dass Kritik aufkeimte ob Kosten, Klimaschutz und Wirbel im Landschaftsschutzgebiet, wischte man bei Red Bull und der Stadtpolitik vom Tisch. Die Bilder dieser PR-Aktion würden um die Welt gehen, meinte Marko, der Konzern sei immer um das bestmögliche Event bemüht. Jedem könne man es aber nie recht machen. Marko gefiel in diesem Zusammenhang das Wort „bedauerlich“ ungemein.

 

Ohne Graz-Shows kein GP

Hätte man 2010 nicht mit solchen Shows in Graz begonnen, erklärte er, wäre es womöglich nie zur Rückkehr der Formel 1 nach Österreich gekommen. Sie hätten aber derartige Resonanz ausgelöst, dass die Begeisterung Mateschitz dazu veranlasst habe, den Spielberg-Plan doch zu verwirklichen.

Seit 2014 dreht die F1-Serie wieder in der Steiermark ihre Runden, jährlich wird dafür ein zweistelliger „Mitgliedsbeitrag“ in Millionenhöhe fällig. Kolportiert werden zwölf bis 15 Millionen Euro. Der Vertrag läuft bis 2020, man sei im Hinblick auf eine Verlängerung „in Gesprächen“, hielt sich Marko zur Zukunft des Österreich-GP aber bedeckt. Auf erneute „Presse“-Nachfrage sagte er nur knapp: „Ich habe dazu alles gesagt.“

Am Rennwochenende werden 200.000 Zuschauer erwartet, Verstappen will sich beweisen. Bei allen acht Saisonrennen war er stets in den Top fünf gelandet, zweimal stand er auf dem Podest. Der Honda-Motor sei extrem zuverlässig, sagt Verstappen, es gab bislang noch keinen Ausfall. Aber im Vergleich mit allen anderen sei man „etwas zurückgefallen“. Der Begriff der Aufgabe blieb ihm trotzdem fremd, auch wollte er keinesfalls in das kollektive Jammern über Fadesse und Monotonie einstimmen. „Ich habe in meinen fünf Jahren in der Formel 1 schon so viel erlebt, theoretisch ist in dieser Rennserie alles möglich“, gluckste er. Also auch ein Sieg in Spielberg?

GP von Spielberg Programm
Donnerstag: Ab 9.30 Uhr Team Track Walks und Promotor-Aktivitäten wie Taxi Drives.
Freitag: Ab 9.35 Uhr Training F3, F2, Porsche Supercup. 11 Uhr: 1. Freies Training F1. 15 Uhr: 2. Freies Training F1.
Samstag: 15 Uhr: Qualifying Formel 1.
Sonntag: Ö-GP, 15.10 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2019)