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Neue Vorschriften im Weingesetz stiften Verwirrung

Will man Konsumenten täuschen und Winzer ins DAC-Korsett pressen?

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Still und leise wurde das österreichische Weinbaugesetz wesentlich verändert. Künftig dürfen nur noch DAC-Weine auf dem Etikett aussagen, woher sie stammen - zumindest ist diesem Verbot nun Tür und Tor geöffnet. Der Spielball der Macht liegt ab jetzt bei den regionalen Komitees. Ab sofort können sie beschließen, dass alle Weine, die nicht als DAC auf den Markt kommen, weder einen Rieden-Namen (klingende Namen von A wie Achleiten bis Z wie Zöbinger Heiligenstein) noch das Weinbaugebiet ausweisen. Diese Gremien werden meist von einigen wenigen Winzern mit einer gewissen Hektargewichtung und Vertretern aus dem Handel besetzt.

Schon die Rieden-Zusammenlegungen waren keine Glanzleistung an Transparenz: Wahllos oder auf Einzelinteressen basierend sind manche Namen geblieben, andere wurden von Großlagen verschluckt. Auf historische Namen und Ähnliches wurde oft keine Rücksicht genommen. Bestimmt haben die besagten Komitees. Je nachdem, wo die Vertreter selbst ihre Weinstöcke hatten, wurden oftmals diese zu bedeutsamen Lagen ernannt.

Districtus Austriae Controllatus (DAC) ist eine Herkunftsbezeichnung für regionaltypische Qualitätsweine aus Österreich. Wer seinen Wein so nennen darf, entscheidet eine Runde aus sechs Prüfern. Ihre Geschmacksnerven testen, ob zum Beispiel der Blaufränkisch DAC Mittelburgenland einen „spürbaren Holzton“ hat oder nicht. Bei DAC-Weinen geht es um die „Herausarbeitung eines gebietstypischen Profils“. Weintrinker gewöhnen sich mehr und mehr an den Begriff und verbinden Qualität damit. In manchen Regionen ist er allerdings schon rückgängig und zum Einstiegswein geworden. Teurer und hochwertiger verkauft man die Lagenweine, während die DAC-Stilistik sich möglichst wenig ändern soll – der Exporteur erwartet sich Kontinuität. Sollen ausgerechnet nur noch diese Weine auf der Flasche ihre Herkunft verraten dürfen? Das ist ein Eingriff in die Freiheit und ein Wettbewerbsnachteil für viele. Zum Beispiel jene, die aus diversen Gründen keine DAC-Kategorisierung wollen. Für jene, die ihr Sortiment nach den unterschiedlichen Lagen einteilen. Und was ist mit jenen Rebsorten, von denen es keinen DAC gibt? Im Weinviertel dürfte nur noch der Grüne Veltliner DAC aussagen, ob er aus Poysdorf oder Röschitz kommt. Im Mittelburgenland darf dann nur noch auf dem Blaufränkisch DAC stehen, aus welcher Riede er stammt. Müssen für alle anderen Weine Fantasienamen her? Führt das zum geschliffenen Einheitsgeschmack?

Es wirkt willkürlich, dass es in der Südsteiermark nicht nur Sauvignon, sondern auch Welschriesling, Morillon, Weiß- und Grauburgunder, Riesling, Gelben Muskateller und Traminer als Südsteiermark-DAC-Weine gibt, und am Neusiedler See nur von Zweigelt-Trauben die Rede ist. So hat die Neuregelung hat ganz unterschiedliche Auswirkungen. Die Neuregelung hat offenbar ganz unterschiedliche Auswirkungen. Zwischen den Weinbaugebieten liegen große Unterschiede.

Das Flickwerk aus angeblichen Qualitätsmerkmalen und Herkunftstypischem hat absurde Ausmaße angenommen. Es ist verwirrend und einschränkend. Nur wenige Winzer können der Verschlimmbesserung im Weinbaugesetz etwas abgewinnen. So gut wie niemand aus der Winzerschaft hatte überhaupt von der beschlossenen Änderung gehört. Und alle kritisieren, dass es nicht nur für ihre Kunden, sondern auch sie selbst unübersichtlich geworden ist. Die einzelnen Winzer müssen rasch ihre Kollegen in den Komitees zur Verantwortung ziehen und Aufklärung fordern. Bevor auch auf dieser Ebene über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Intransparenz und Überregulierung sind schlechte Hefen, und sie machen die Gräben in der Weinbranche tiefer.

Juliane Fischer (geboren 1987) arbeitet als freie Journalistin und zum Ausgleich im Weingarten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2019)