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Naturereignis

Regenbögen, Schneegestöber oder Sternschnuppen – die Schauspiele der Natur faszinieren meist mehr als
Regenbögen, Schneegestöber oder Sternschnuppen – die Schauspiele der Natur faszinieren meist mehr als jede menschliche Inszenierung.(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Bin ich echt „Anti-Reise", oder: Wie soll eine Reise verlaufen, damit sie einen zufrieden macht?

Manche Leute, die an dieser Stelle meine Texte lesen, fragen mich, wieso ich eigentlich „so wahnsinnig ,Anti-Reise‘" sei. Ich schriebe ja, sagen sie, kaum Positives über „das Reisen". Und echt, ich frag mich auch, wieso bin ich so ein Reisemuffel, liegt es am dauernden beruflichen Reisen? Doch dann erinnere ich mich an die Neunzigerjahre, als ich fast nur privat gereist bin. Auch damals war ich ein Muffel, auch damals beschwerte ich mich über das Reisen und den Tourismus, der dort, wo es ihm erlaubt wird, das meiste zum Schlechteren wandelt. Oft wundert mich, dass ich meine Neugier nie verloren habe, dass ich weiterhin mit diesem Gefühl freudiger Erregung an neue Orte komme.

Ich glaube, es liegt daran, dass die Welt so irrsinnig groß und vielfältig ist, und dass ich weiterhin damit rechne, es gäbe irgendwo einen Ort, der mir total entspricht, eine Reiseart, die für mich ideal ist, ein Hotel oder eine Pension, die sich genau mit meinen Bedürfnissen decken. Eines Tages finde ich irgendwo die innere Balance, die es mir erlaubt, unterwegs und glücklich zu sein. Träfe all das zu, wäre ich „angekommen" und könnte das Reisen aufgeben. Bis dahin möchte ich in Zeitungen und Büchern die Unbequemlichkeiten und Dramen unseres entfremdeten Reisens beschreiben. Glauben Sie mir, sehr viele da draußen empfinden das ähnlich! Gute Reisende waren immer auch „Anti-Reise", „What am I doing here" heißt ein Buch von Bruce Chatwin.

Für mich ist das Schöne am Reisen, wenn Naturereignisse auftreten, ein Gewitter, ein Regenbogen, ein Satellit am Nachthimmel, manchmal einfach ein Schneegestöber. Oder mir begegnen Einheimische in Situationen des „richtigen" Lebens, also nicht gerade, wenn sie verkleidet vor einem Opernhaus überteuerte Tickets für Dreckskonzerte verkaufen, sondern etwa, wenn sie ihren Tagesfang, der noch blutet, auf den Markt schleppen. Ich mag es, wenn ich die Gelegenheit kriege, mit den lokalen Leuten herumzugehen, zu essen oder einzukaufen, und sei es im grindigsten Supermarkt auf der hintersten Insel des Südpazifiks.

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