Der Leuchtenspezialist hat die Kosten deutlich gesenkt und will heuer die Gewinnzone erreichen. Die Aktionäre reagieren begeistert – trotz des Ausfalls der Dividende.
Wien. Der Weg in die Gewinnzone ist hart – aber bei Zumtobel zeigt sich Licht am Ende des Tunnels. „Wir haben den permanenten Umsatzrückgang in den vergangenen zwei Jahren stoppen können und die Restrukturierungsmaßnahmen zeigen Wirkung“, sagte Konzernchef Alfred Felder am Donnerstag. Das zeigt sich deutlich im Nettoergebnis: Der Verlust konnte im Geschäftsjahr 2018/19 (Ende April) von 46,7 auf 15,2 Mio. Euro deutlich reduziert werden. Das Betriebsergebnis (Ebit) drehte von minus 7,3 auf plus 2,7 Mio. Euro.
Beim Umsatz gab es zwar noch ein kleines Minus von 2,9 Prozent auf 1,162 Mrd. Euro. Aber im vierten Quartal ging es erstmals seit 13 Quartalen mit einem Plus von 3,4 Prozent wieder aufwärts. „Das Schlimmste haben wir hinter uns gelassen und sind nun langsam auf Wachstumskurs“, meinte Felder.
Den positiven Trend will Felder – trotz erster Anzeichen für ein Abflauen der Konjunktur – heuer halten und sogar noch ausbauen. Schließlich lautet das ehrgeizige Ziel, die Ebit-Marge von zuletzt 2,4 Prozent auf drei bis fünf Prozent und 2020/21 auf sechs Prozent zu erhöhen.
„Wir werden im laufenden Geschäftsjahr ein positives Nettoergebnis erzielen“, kündigte Finanzvorstand Thomas Tschol an. Dann werde es – nach dem Aussetzen für 2918/19 – auch wieder eine Dividende geben.
So etwas hören Aktionäre gern, vor allem, wenn sie in den vergangenen Jahren nichts zu lachen hatten: Das Papier verlor binnen drei Jahren fast 50 Prozent an Wert, wobei auch die Querelen um den von einem Rechtsstreit begleiteten Abgang von Felders Vorgänger Ulrich Schumacher eine Rolle spielten. Am Donnerstag sprang die Aktie aber um satte zwölf Prozent nach oben und hielt sich bis Nachmittag zehn Prozent im Plus.
Felder hat dem Konzern, der Industrieleuchten, Lichtsysteme und -komponenten für Gebäude und öffentliche Räume (etwa die FC-Bayern-Arena und die Elbphilharmonie) produziert, einen harten Restrukturierungskurs verpasst. So gut wie alle Geschäftsprozesse wurden durchleuchtet und effizienter gemacht.
Jobabbau über Fluktuation
Das kostete auch Jobs, der Personalstand fiel von 6200 auf 5900 Mitarbeiter. Davon arbeiten 2150 in Österreich. Auch heuer wird weiter an den Schrauben gedreht, wobei Felder beim Personal vor allem auf die natürliche Fluktuation setzt, die fünf Prozent beträgt.
Außerdem gab es in der Produktion gravierende Umstellungen. So wurde das Werk im burgenländischen Jennersdorf mit 90 Beschäftigten geschlossen, die Komponentenproduktion in die neue Fabrik in Niš verlagert. Nach Serbien wurde auch der Großteil der Produktion aus Guangzhou (China) übersiedelt. „Die chinesischen Küstenstädte haben inzwischen ein Kostenniveau wie Portugal, dazu kommen noch die Zölle und der Transport. Niš ist deutlich billiger“, nannte Felder die Gründe für den strategischen Schritt. Für einen europäischen Produktionsbetrieb sei ein Billigstandort unumgänglich. Zumtobel hat Mitte Juni eine Softwareschmiede in Portugal eröffnet.
Belastet hat Zumtobel auch die Unsicherheit rund um den Brexit, weil Firmen Investitionen hintanhielten bzw. absiedelten. Im Werk Spennymoor sei man für einen harten als auch weichen Brexit gerüstet, vor allem, was die Versorgung mit Vormaterial betreffe.
Der Konzernumbau belastete das Ergebnis mit 25 Mio. Euro, gleichzeitig brachte die Effizienzsteigerung aber rund 30 Mio. Euro. So viel werde man heuer nicht mehr schaffen, meinte Tschol, weil das Gröbste erledigt sei. Aber fünf bis zehn Mio. Euro seien noch drin. (eid)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2019)