Ferien!

Jetzt hat sich der Juni zugegebenermaßen eher von seiner unverschämt hochtemperierten Seite gezeigt, aber seien wir uns ehrlich:

So richtig offiziell Sommer ist trotzdem erst jetzt, wenn die Zeugnisse überreicht, die Schulen geschlossen und die Wecker – halleluja – für neun Wochen abgestellt sind.

Damit wir verlässlich zum Zeugnistag richtig urlaubsreif sind, hat sich der Juni wie jedes Jahr seine Tage mit sozialen Aktivitäten vollstopfen lassen. Sie kennen das bestimmt. Da gibt es: Sommerfeste, Klassengrillen, Klavier-Vorspielnachmittage, Theater-Abschlussvorführungen, Hort-Picknicks, Schulhof-Abschlussfeiern und dazwischen noch zwei, drei Kindergeburtstagspartys. Alles für sich fein – aber insgesamt halt ein bisschen, nun, viel. Auch die U-Bahnen sind selten so voll wie in den Tagen vor dem Zeugnis, wenn sich klassenweise Kinder auf dem Weg zu ihren Letzte-Schulwoche-Ausflügen in die Züge drängen. Als Jugendliche habe ich sowieso nie verstanden, wieso man die Woche vor den Ferien, in der man „eh nichts mehr lernt“, nicht auch gleich frei gibt. Eine bestechende Logik, nicht?

Eine kleine Belastungsprobe für die Platzkapazitäten in der Wohnung sind auch all jene Dinge, die die Kinder aus der Schule heimbringen. Plakate aus dem Sachunterricht, zu klein gewordene Patschen, Patschen, die im Herbst vielleicht noch passen, große Basteleien, kleine Basteleien, halb fertige Muttertagsgeschenke. Keine Frage, der Juni hat so seine Rituale – wie die Ferien selbst. Wir brechen heuer mit einer Tradition und fahren nicht schon am ersten Feriensamstag weg. (Am Freitag brechen nur die mit latenter Vorliebe für Stau und extrem volle Züge auf.) Wir sind also da, es wäre genau die Zeit, um die – bei den vielen Juni-Treffen mit den anderen Eltern bei einem (oder zwei) Spritzern vereinbarten – „Wir sehen uns aber schon einmal im Sommer“-Treffen einzulösen. Aber wie immer, wenn man selbst in Wien ist, sind alle anderen gerade weg. Und umgekehrt. In diesem Sinne: Einen schönen Ferienbeginn allen, die ihn schon haben! Und eine angenehme letzte Schulwoche allen anderen. Halb so wild. Man lernt eh nichts mehr.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2019)