Im November soll gewählt werden, im Mai 2011 will Anas Schakfeh abtreten.
Seine Kritiker bezeichnen ihn als Sesselkleber, der nicht und nicht von der Macht Abschied nehmen will. Anas Schakfeh selbst, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), sieht sich dagegen als braver Erfüller seines Auftrags. Er warte nur darauf, dass er endlich sein Amt niederlegen dürfe. Noch etwa ein Jahr lang wird er ausharren müssen – oder sich, so die Diktion seiner Gegner, an die Macht klammern. Denn nach langem Hin und Her stehen nun endlich – kürzlich beschlossen vom Obersten Rat der Glaubensgemeinschaft – die Termine für die Neuwahlen in der Vertretung der österreichischen Muslime.
Ende November bis Anfang Dezember werden die ersten acht Religionsgemeinden – organisiert nach Bundesländern – ihre Gemeindevertretungen wählen. Wien soll im Frühjahr 2011 folgen. In den einzelnen Gemeinden konstituieren sich danach die Ausschüsse, die schließlich die Mitglieder des Schura-Rats ernennt – das ist das legislative Organ der Glaubensgemeinschaft, das am Ende auch den Präsidenten als obersten Repräsentanten bestimmt. Schakfeh selbst rechnet im Gespräch mit der „Presse“ jedenfalls damit, dass nach dem mehrstufigen Wahlverfahren sein „Leidensweg“ im Mai 2011 zu Ende sein werde und er sich ins Privatleben zurückziehen könne.
Ganz neu ist diese Ankündigung nicht, lediglich das Datum des Rückzugs hat sich stets nach hinten verschoben. Im Oktober 2007 hatte Schakfeh das Ende seiner Amtszeit angekündigt – 2008 sollte sie demnach schon vorbei sein.
Allein, dem Wunsch des gebürtigen Syrers kamen die Mühlen der österreichischen Bürokratie dazwischen, deren Hartnäckigkeit die IGGiÖ eindeutig unterschätzt hat. Denn die neue Verfassung und die neue Wahlordnung der Glaubensgemeinschaft, die erst den Weg für Neuwahlen freimachen sollten, wurden vom zuständigen Kultusamt im Unterrichtsministerium mehrmals detailliert durchleuchtet, um das Dokument gegen Angriffe wasserdicht zu machen. Die Kombination aus schwerfälligen Strukturen der muslimischen Glaubensvertreter und der peniblen Arbeit des Kultusamtes – flankiert von juristischen Angriffen kleinerer islamischer Organisationen – sorgte für ständige Terminverschiebungen.
Die Ära Schakfeh ist damit um ein weiteres Kapitel angereichert. Neuestes Ablaufdatum ist Mitte Mai 2011 – die Erfahrung lehrt allerdings, mit der Ankündigung vom Ende der Amtszeit Schakfehs vorsichtig zu sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2010)