EZB: „Staatskrise programmiert“

Ökonomen kritisieren Europaket scharf, die EZB hält dagegen.

wien (mar). Ungeachtet aller Stabilisierungsmaßnahmen setzte sich die Talfahrt des Euro auch am Freitag fort. Zeitweise kostete die Währung 1,2433 Dollar, das ist der tiefste Stand seit November 2008. Offenbar ist das Vertrauen der Märkte in das Euro-Rettungspaket der EU begrenzt, auch die Sorge um die Situation Griechenlands und weiterer Länder hält an. So sagte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, im Hinblick auf den griechischen Schuldenberg gegenüber dem ZDF: „Ob Griechenland wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln.“

Andere namhafte Experten greifen das Rettungspaket direkt an. Es stürze Deutschland „in ein unkalkulierbares Abenteuer“, meinte der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Europa drohe, „eine gewaltige Schuldenblase aufzubauen, die mit einem gewaltigen Knall platzen wird“. Die Staatskrise Deutschlands sei programmiert, sagte der Ökonom. Auch mit der deutschen Kanzlerin ging Sinn hart ins Gericht: „Der Pakt bedeutet nichts anderes, als dass Deutschland für die Schulden anderer Länder geradesteht“, so der Ifo-Chef. Er halte den Euro für richtig, aber: „Ich verstehe, wenn sich nun viele Deutsche hereingelegt fühlen.“

Sarkozy drohte mit Austritt aus Eurozone

Unterdessen verteidigte EZB-Chef Jean-Claude Trichet die Entscheidung der Zentralbank, Anleihen notleidender Euroländer zu kaufen – eine komplette Abkehr vom bisherigen strikten Stabilitätskurs, die zuvor auch der deutsche Bundesbankpräsident Axel Weber kritisiert hatte. Dagegen meinte Trichet, dies berge keine Inflationsgefahren. Zusätzlich forderte er gegenüber dem „Handelsblatt“, Deutschland solle die Rolle einer Art „Europolizei“ übernehmen.

Bei den Verhandlungen über das Rettungspaket habe Sarkozy mit dem Austritt aus der Eurozone gedroht, berichtet die spanische Zeitung „El País“. Dies habe Merkel zum Einlenken gebracht. Während Berlin die Meldung dementierte, gab es aus dem Élysée-Palast keinen Kommentar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2010)

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