Going Private

Der Rückzug des Auktionshauses Sotheby's von der Börse war überfällig. Der Verkauf an den Investor und Sammler Patrick Drahi macht es nun möglich.

Seit 30 Jahren notiert das Auktionshaus Sotheby's, das heuer übrigens 275 Jahre alt wird, an der Börse. Für das Unternehmen waren es durchwachsene Jahre, ebenso wie für seine Aktionäre. Vergangene Woche gab das Haus nun bekannt, dass der französisch-israelische Milliardär Patrick Drahi Sotheby's für 3,7Milliarden Euro übernimmt. Drahi zahlt eine Prämie von 60Prozent auf den Aktienkurs. Etwas Besseres kann den Aktionären nicht passieren, denn die Kursperformance war nie herausragend, nicht einmal in den Boomjahren des Kunstmarkts. Die Transparenzerfordernisse eines gelisteten Unternehmens samt Quartalsergebnissen passt schlicht nicht zum Geschäft mit der Kunst. Auch die anderen Big Player im Auktionsgeschäft, Hauptrivale Christie's sowie Phillips und Bonhams, sind in Privatbesitz. Eine der wenigen Kunstaktien neben Sotheby's ist der Schweizer Messebetreiber MCH-Group, der unter anderem die Art Basel im Portfolio hat. Doch auch MCH ist kein reiner Kunstbetrieb.

Diskretes Geschäft. 2018 machte Sotheby's einen Umsatz von 6,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 16 Prozent. Der Gewinn ist hingegen von 119 Millionen auf 109 Millionen Dollar zurückgegangen. Grund dafür waren unter anderem zwei garantierte Hochpreiswerke, Modiglianis „Nu couche“ und Picassos „Femme ecrivant“, die beide unter den Erwartungen verkauft wurden. Die Garantien lasteten auf der Gewinnmarge. In den Medien gefeierte Millionenzuschläge täuschen. Um hochkarätige Ware zu bekommen, müssen die Häuser den Verkäufern große Zugeständnisse machen und oft sogar einen Mindestpreis garantieren. Das geht auf Kosten des Gewinns.

Der Kunstmarkt ist ein diskretes Geschäft. Käufer wie Verkäufer wollen nicht in der Öffentlichkeit stehen, und Anbahnungen können langwierig sein. Diese mangelnde Transparenz erschwert es Aktionären einzuschätzen, in welche Richtung sich die Gewinne bewegen werden, was zu einer hohen Volatilität des Aktienkurses führt.

Für Sotheby's bedeutet der Börsen-Exit, dass es künftig die Möglichkeit hat, langfristige Strategien zu verfolgen. So könnte das Haus mit frischem Kapital des Investors die Digitalisierungsstrategie rascher vorantreiben. Denn die letzten Jahre litt Sotheby's unter dem aggressiven Aktionär Daniel Loeb, der das Haus massiv ausbremste. Doch auch Drahi hat den Ruf, ein harter Restrukturierer und Sparmeister zu sein. Der wesentliche Vorteil ist, dass Sotheby's wieder auf Augenhöhe mit Hauptkonkurrent Christie's agieren kann. Dann matchen sich die Giganten auf dem privaten Spielfeld. Es lebe die Diskretion.

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