Trump lädt Kim ins Weiße Haus ein

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Trump/Kimimago images / Xinhua

US-Präsident und Nordkoreas Alleinherrscher vereinbaren beim Treffen in Panmunjom in der demilitarisierten Zone einen Neustart der Atomgespräche.

Aus einer „spontanen Idee“ wird ein „legendärer Moment“ – so versteht Donald Trump Politik und schüttelt Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Grenzpunkt Panmunjom die Hand. Noch nie zuvor hat ein amtierender US-Präsident seinen Fuß auf nordkoreanischen Boden gesetzt. Diese Begegnung in der Demilitarisierten Zone (DMZ) am 38. Breitengrad könnte auch deswegen historisch werden, weil Trump den Diktator aus Pjöngjang nach Washington ins Weiße Haus einlud.

Politische Seifenoper

Wie in einer politischen Seifenoper schritten beide Staatenlenker durch die neutrale Zone am Grenzpunkt aufeinander zu. Anschließend geleitete Kim den amerikanischen Präsidenten über die Schwelle auf sein Territorium. Seite an Seite und ohne viel Worte begaben sich Trump und Kim anschließend über die Demarkationslinie auf südkoreanisches Terrain, wo Staatschef Moon Jae-in wartete. Ursprünglich hatte Pjöngjang als Vorbedingung für das bilaterale amerikanisch-nordkoreanische Treffen gefordert, dass sich der Seouler Präsident aus dieser Begegnung gänzlich heraushält.

Beim anschließenden, eine knappe Stunde dauernden Gespräch zwischen Trump und Kim im „Freiheitshaus“ fungierte der Südkoreaner zwar formal als Gastgeber, saß aber nicht mit am Tisch. Nach Medienberichten wünscht Nordkoreas Diktator keine Vermittlung durch Moon, sondern will nur auf Augenhöhe direkt mit dem Repräsentanten der Vereinigten Staaten verhandeln. Zunächst wurden aber nur Komplimente ausgetauscht. „Wir mochten uns vom ersten Tag an“, sagte Trump über den nordkoreanischen Diktator.

Kim charakterisierte sein persönliches Verhältnis zu dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im Gegenzug als „exzellent“. Er habe nicht erwartet, Trump jemals an dieser Grenze zu treffen. Das sei ein „sehr couragierter Akt“ von Trump. Der Handschlag habe „große Bedeutung für den Frieden“, erklärte der nordkoreanische Führer. „Wir werden die Vergangenheit hinter uns lassen und in die Zukunft schreiten.“ Diese Aussagen des üblicherweise wortkargen Diktators sind insofern überraschend, als es seit dem Abbruch des Hanoi-Gipfels Ende Februar zumindest offiziell keine Gespräche auf Arbeitsebene mehr gegeben hat. Und auch die Begegnung von Panmunjom ist kein reguläres Treffen, sondern nur ein „Handschlag“, wie es Trump selbst einordnete.
Soweit die Symbolik. Über den Inhalt des Gesprächs unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist nur sehr wenig bekannt. Trump kündigte lediglich an, er werde Kim „jetzt gleich ins Weiße Haus einladen.“ Und später: Er habe mit dem Machthaber Nordkoreas vereinbart, dass die Atomgespräche mit einem Neustart in die dritte Runde nach den Gipfeln von Singapur und Hanoi gehen. Auffällig war bei einer anschließenden Pressekonferenz, dass Trump sorgfältig vermied, das bisher eigentliche Verhandlungsziel einer kompletten und eindeutig überprüfbaren Denuklearisierung überhaupt als Begriff zu erwähnen.

Nach Darstellung von Trump war dies 2018 in Singapur als Endabsicht und auch als Bereitschaft Nordkoreas vereinbart worden – und hat sich bisher in keiner Weise erfüllt. Weder gibt es konkrete Zusagen der Führung in Pjöngjang, wann das kommunistische Regime sein Atomwaffenarsenal abrüsten will. Noch gibt es über Anzeichen für Fortschritte, außer dass Nordkorea derzeit keine Atomwaffentests durchführt, jedoch immer wieder Raketen testet.
Eine wirkliche Bereitschaft Nordkoreas, überhaupt auf Atomwaffen zu verzichten, gibt es nicht und wird es aus Gründen der Staatsraison vermutlich auch nie geben. Die Positionen von Pjöngjang und Washingtons sind deshalb nach wie vor unvereinbar. In diesem Sinne könnte das Treffen von Panmunjom den blockierten Verhandlungen bestenfalls neues Leben einhauchen. Zumindest wurde die Gründung von jeweiligen Arbeitsgruppen vereinbart.

Fünfter US-Präsident in der DMZ

Trump überschritt bei seiner Blitzvisite zwar erstmals eine Grenze, aber er ist bereits der fünfte US-Präsident, der die entmilitarisierte Zone zwischen beiden Koreas besucht. Ronald Reagan nannte die Demarkationslinie 1983 eine „Frontlinie der Freiheit“. Zehn Jahre später warnte Bill Clinton Nordkorea dort vor der atomaren Aufrüstung, ehe 2002 George W. Bush Pjöngjang in die „Achse des Bösen einordnete. Wiederum zehn Jahre darauf sprach Barack Obama angesichts neuer Raketentests Nordkoreas erstmals von der internationalen Isolation des Regimes.

Donald Trump wollte Panmunjom schon bei seinem ersten Besuch Südkoreas im November 2017 besuchen. Wegen schlechten Wetters und dichtem Nebel untersagte der Secret Service dem Präsidenten damals den Hubschrauberflug.