Die niedrigsten Gebühren fallen bei Geldmarktfonds und Rentenfonds an, zeigt eine FMA-Studie. Passiv gemanagte Fonds sind günstiger.
Wien. Die Fondsgebühren, die für Anleger bei österreichischen Publikumsfonds anfallen, haben sich im Vorjahr verglichen mit 2017 nicht signifikant verändert. Die Gebühren seien etwa gleich hoch wie in Deutschland und im EU-Durchschnitt. Dies geht aus der jährlichen FMA-Marktstudie über Fondsgebühren von österreichischen Publikumsfonds der Finanzmarktaufsicht (FMA) hervor. Publikumfonds sind solche, die grundsätzlich jedem offenstehen, also auch Kleinanlegern.
Die Studie hat Kundeninformationsdokumente (KID) sowie Fondsbestimmungen unter die Lupe genommen. Die maximalen jährlichen Verwaltungsgebühren betragen laut Fondsbestimmungen im Schnitt 1,21 Prozent. Die tatsächlich angefallenen laufenden Kosten beliefen sich auf 1,13 Prozent. Hinzu kommen die beim Kauf anfallenden einmaligen Ausgabeaufschläge, die laut KID im Schnitt 3,61 Prozent betragen. Häufig bieten Banken jedoch Rabatte beim Erwerb bestimmter Fondsanteile an. Signifikante Unterschiede bei den Gebühren gibt es zwischen den verschiedenen Veranlagungsstrategien.
Die niedrigsten Fondsgebühren weisen Geldmarktfonds und kurzfristige Rentenfonds auf, gefolgt von Rentenfonds, Immobilienfonds, Mischfonds und Aktienfonds. So liegen zum Beispiel die (laut Fondsbestimmungen) maximalen Verwaltungsgebühren bei Rentenfonds im Schnitt bei 0,99 Prozent, bei Aktienfonds bei 1,59 Prozent. Bei Geldmarktfonds sind es nur 0,4 Prozent. Der Ausgabeaufschlag (ohne Rabatte) beträgt bei Geldmarktfonds im Schnitt 1,67 Prozent, bei Rentenfonds 3,39 Prozent und bei Aktienfonds 4,33 Prozent. Nachhaltigkeitsorientierte Fonds weisen im Vergleich zum Gesamtmarkt keine höheren Gebühren auf.
Passive Strategien sind selten
Berücksichtigt wurden ausschließlich österreichische Publikumsfonds mit einem Fondsvermögen von insgesamt 89,76 Mrd. Euro. Die meisten der 1120 Fonds verfolgen eine aktive Veranlagungsstrategie, haben also einen oder mehrere Fondsmanager, die die Wertpapierauswahl treffen. Lediglich elf Fonds verfolgen nach eigenen Angaben eine passive Strategie, bilden bei der Wertpapierauswahl also einen Index nach. Aufgrund der unterschiedlichen Anzahl könnten sie nur bedingt verglichen werden, heißt es in der Studie. Passive Fonds weisen jedoch im volumengewichteten Mittelwert der laufenden Kosten nur die Hälfte der Kosten auf.
Performanceabhängige Verwaltungsgebühren sind in der Minderheit, sie finden bei rund fünf Prozent der Fonds Anwendung, wobei deren Berechnung nach Abzug der allgemeinen Verwaltungsgebühren erfolgt. Die Modelle der Berechnung dieser Gebühren, die an die Wertentwicklung des Fonds gebunden sind, sind jedoch sehr heterogen und betragen bis zu 25 Prozent des über dem Vergleichsindex liegenden Ertrags. (b.l./APA)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2019)