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Kapitänin Carola Rackete - Heldin oder Kriminelle?

Carola Rackete an Bord der Sea-Watch - mittlerweile steht sie unter Hausarrest.
Carola Rackete an Bord der Sea-Watch - mittlerweile steht sie unter Hausarrest.REUTERS
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Die 31-jährige Kapitänin der „Sea-Watch 3“ absolvierte eine Ausbildung zur Nautischen Offizierin und war für Greenpeace unterwegs. Ihr Vater, mittlerweile selbst Angriffen im Internet ausgesetzt, beschreibt sie als analytisch und abwägend.

Für die einen ist sie heldenhaft, beispiellos menschlich und mutig. Aus Sicht der anderen ist sie hochnäsig, eine Gesetzesbrecherin und damit schlichtweg kriminell. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete, die zahlreiche Migranten unerlaubt nach Italien gebracht hat, steht im Mittelpunkt der jüngsten umstrittenen Rettungsaktion der Hilfsorganisation Sea-Watch.

Rackete drohen zwei Prozesse, die in langen Haftstrafen enden könnten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem vor, Widerstand gegen ein Kriegsschiff geleistet zu haben, was mit bis zu 13 Jahren Haft bestraft werden kann. Zudem wird wegen Begünstigung illegaler Migration ermittelt. Über einen Haftbefehl wird vermutlich erst am späten Abend entschieden.

Zwei Mal hatte sie sich den Anordnungen der italienischen Behörden widersetzt. Am Mittwoch letzte Woche steuerte sie nach der Rettung von 53 Menschen vor der Küste Libyens in italienische Gewässer. Und Am Samstag dann fuhr sie den Hafen Lampedusas an und rammte ein Boot der italienischen Finanzpolizei. Dabei gilt sie als jemand, der gut überlegte Entscheidungen trifft und nicht unbedingt heißblütig agiert oder auf Schlagzeilen aus ist.

Zuvor auf Forschungsschiffen und für Greenpeace unterwegs

Die junge Frau mit dem großen Dutt aus Dreadlocks ist in Preetz bei Kiel geboren und in Hambühren in Niedersachsen aufgewachsen. Sie ist 31 Jahre alt und wenn sie Englisch spricht, hört man einen britischen Akzent heraus. Sie hat in Norddeutschland und England studiert und spricht mehrere Sprachen.

In Norddeutschland hat Rackete eine Ausbildung als Nautische Offizierin absolviert. Bevor sie 2016 zu Sea-Watch ging, war sie unter anderem auf einem Forschungsschiff von Greenpeace unterwegs und für das Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung im Einsatz. Dort ging es damals um Polarforschung - Rackete kennt die Arktis. In ihrem Lebenslauf ist zu lesen, dass sie auch zur Zukunft des Naturschutzes in verschiedenen Regionen der Welt forscht.

Wenn sie nicht auf einem Schiff unterwegs ist, ist sie auf Reisen - auch gerne alleine: Sie habe bereits auf der Chinesischen Mauer gezeltet und sei durch mehrere Länder in Südamerika getrampt, erzählte ihr Vater Ekkehart Rackete.

„Eine sozialrevolutionäre Ader hat sie nie gehabt"

Rackete bezeichnet seine Tochter als analytisch und abwägend - was nicht bedeute, dass sie zynisch oder kalt sei. "Sie ist jemand, der sich ziemlich genau überlegt, was er tut und will und nicht tut und nicht will", sagte er. Blauäugig sei sie nicht. Und: "Eine sozialrevolutionäre Ader hat sie nie gehabt." Mitglieder der Organisation Sea-Watch beschrieben sie als ruhig und nervenstark.

Vater Rackete wolle erst einmal abwarten, wie die Anhörung vor dem Ermittlungsrichter verlaufe, sagte er dem „Focus Online". "Leider kann sie kein Italienisch. Sonst würde sie Innenminister Matteo Salvini einen Satz rote Ohren verpassen", wird Ekkehart Rackete zitiert. Salvini hatte Rackete zuvor als "Kriminelle" bezeichnet.

Auch Ekkehart Rackete ist im Internet mittlerweile Anfeindungen ausgesetzt. Immer wieder wird ein Beitrag in Sozialen Medien geteilt, in dem behauptet wird, er verdiene sein Geld „mit Waffenverkäufen“. Wie die Internetplattform mimikama.at recherchiert hat, arbeitet der pensionierte Oberstleutnant der Bundeswehr tatsächlich als Berater bei einem Unternehmen namens „Mehler Engineered Defence GmbH“. Doch die Firma stellt nach eigenen Angaben keine Waffen her, sondern ausschließlich Materialien zum Schutz von Menschen vor Munition und Granatsplittern. Es gehe dabei um die „Überlebensfähigkeit von Soldaten“ aber auch um den Einsatz „im zivilen Bereich“.

„mimikama.at“, das sich dem finden von Fake News verschrieben hat, wirft außerdem die Frage auf, „was die Tätigkeit des Vaters eigentlich mit den Taten der Tochter zu tun haben soll und inwieweit sie dafür verantwortlich ist.“ Die Falschmeldung dürfte bewusst dazu verwendet werden, Tochter Carola Rackete zu diskreditieren.

>> Der Artikel auf „Focus Online"

>> Der Artikel auf mimikama.at

>> Die Unternehmenshomepage von „Mehler Engineered Defence"

(APA/dpa/Red.)